Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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472
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Virginia,

(Virginia.)

Erster Auszug.

Erster Auftritt.Die Sccne cm Zimmer in dem Hanse des Claudius .Tlaudius. Rllfus.ClauS. Wardst du es gewahr, RufuSZ Als wir jetzt bey demHause des Virginius vorbey gingen, mit welcher Verachtung er unsanblickte?

Ruf. Alter und wahnwitzige Traume von Rom und Ehre, ha-ben ihm das schwärmerische Gehirn verrückt.

Tl. Sahst du, mit welcher ungestümmcn Eilfertigkeit, mit wasfür finstern Blicken er heraus ging?

Ruf. Und was mochte die Ursache seyn?

Tl. Eben ist ein Befehl angelangt, der ihn ins Lager zurück ruft;weil mau sich alle Stunden einer Schlacht versieht. Ein glücklicherUmstand, der dem Anschlage unsers Dccemvirs auf seine schöne Toch-ter zu statten kommen wird!

Ruf. Diese rasche Verfolgung eines versprochnen Mädchens,fürchte ich, wird einen unglücklichen Ausgang haben. Sollte Ap-piuS Gewalt brauchen! Ich zittre bey diesem Gedanken. Vir-ginius ist durchgängig verehrt; sein silbernes Haar, sein Ruhm, seinerauhe Beredsamkeit würd^ ganz Rom empören! Wir müßen dar-auf denken, den Appius von einem so verzweifelten Unternehmen ab-zubringen.

Cl. Vergebens! Unmöglich! Seine stürmische Leidenschaftspottet aller Vorstellungen. Nichts mehr hiervon! Denn ich sagedir, uns steht weiter keine Wahl frey, als die Wahl der besten Mit-tel, sie durch Liebkosungen in seine Arme zu bringen.

Ruf. Durch Liebkosungen, in seine Arme? Claudius ! Duweißt, sie ist versprochen; mit dem jungen Jcilius versprochen; undwie zärtlich liebt sie ihn, dieses Schvoßkind des Volks, dem er alsTribun so muthige Dienste geleistet.