Joachim Heinrich Campe.

Geb. 17​​​46, gest. d. 22., n. a. 23. Oct. 1818.

Dieser Freund deutscher Jugend, deutscher Sprache,deutschen Gemüthes allbekannt durch zahlreicheSchriften, von denen viele Mustergültigkeit behaupten,als vorzüglicher Pädagog beliebt, ja gefeiert wurdein dem Braunschweig-Wolfenbüttelschcn Dorfe Deensengeboren und zog aus dunkeln Verhältnissen dem Lichtewissenschaftlicher Bildung nach. Den Knabenunterrichtgewährte zunächst die Schule zu Holzmindcn, woraufHelmstädt und Halle den Jüngling Weiler bildeten, dersich der Theologie widmete und dabei die so äußerstgünstig auf dieser Hochschule gebotene Gelegenheit nichtunbenutzt ließ, auch in der Erziehungswissenschaft, zuwelcher sein Gemüth sich mit Vorliebe hinneigte, theo-retische und praktische Kenntnisse sich anzueignen. Gleich-wohl schien das Geschick ihn seinem ursprünglichen Be-rufe entziehen zu wollen, denn er erhielt als Candidat1773 eine Feldpredigerstelle beim Regimente des PrinzenHeinrich von Preußen zu Potsdam.

Diese Stellung konnte den strebsamen jungen Mannnicht auf die Dauer befriedigen; indeß benutzte er dieMüsse, Welche sie ihm vergönnte, treufleißig zu seiner

Weiterbildung, und gewann sich Freunde und Gönner,welche ihn förderten, und so nahm er 1776 freudigeinen Ruf als Anhalt-Dessauischer Educationsrath an,zumal in Dessau das eigentliche Ziel der SehnsuchtCampe's, das berühmte Philanthropin unter Basedowblühte. Johann Bernhard Basedow, ein Hamburgerund unter dem gnädigen Schutze des Fürsten Franzvon Dessau Begründer des philanthropischen Erziehungs-instituts verließ seine Anstalt, und Campe trat nunals deren Lenker und Leiter an dessen Stelle. Eswaren von ihm bereits einige philosophische Abhand-lungen erschienen, dann trat er mit seinem «Sittcn-büchlein» auf, welches große Verbreitung fand, so daßeine Auflage der andern folgte und Campe's Ruf sichrasch in weiten Kreisen verbreitete. Indeß erging esihm, wie nach ihm Salzmann an derselben Stelle, erfand sich bewogen, sie nicht lange zu bekleiden. Neigungund Sehnsucht ward in ihm rege, nach eigenen Ideenund Wünschen selbstthätig wirken und handeln zu können,denn noch heute wird jeder Erzieher von geistiger Be-gabung mehr oder minder sich selbst seine Erziehungs-