Pläne bilden und sie von innen herausarbeiten, nichtdas vorgefundene fremde unbedingt annehmen unddessen Regeln sclavisch befolgen.
Campe verließ Dessau nach Aufgebung seiner dor-tigen Stellung und wandte sich nach Hamburg , wo ereine Privaterziehungsanstalt begründete und bis zumJahre 1783 leitete, sie wohl auch gern länger geleitethaben würde, wenn nicht wankende Gesundheit ihngenöthigt hätte, sie aufzugeben. In diese Zeit fiel derBeginn der Herausgabe deS «Hamburgischen Kinder-almanachs», welcher in 12 Bündchen bis 1784 fort-geführt wurde und der sich in abermals 12 Bündchendie beliebten Reisebeschreibungen für die Jugend bis1794 anreihten. Dieser friedlich-lehrreich und liebevoll-wirksamen Thätigkeit eines Jugendschriftstellers konntesich der wackre Campe durch die sclbstgcschaffcne Be-freiung von jeglicher Amtsbürde um so mehr hingeben,als er aus dem geräuschvollen Hamburg zurückgezogenin der ländlichen Stille des Dorfes Trittau bei Hamburg lebte. Seine Weise, für die Jugend zu schreiben, diezugleich für junge angehende Schulmänner Leitfaden undMuster wurde, gefiel allgemein; er hatte vorzugsweisedie kleine Kinderwelt im Auge und wußte meisterlichderselben seine Stoffe anzupassen.
Die größte Freude erregte in der Jugend- undihrer Lchrerwelt sein «Robinson der jüngere, ein Lese-buch für Kinder.» Diesem Buche lag bekanntlich derScefahrcrroman des Engländers de Foc zum Grunde,von dem auch schon eine alte deutsche Uebcrsctzung vor-handen war. Rousseau hatte in seinem Emile diesesBuch gelobt und empfohlen, und Campe bearbeitete esmit dem größten Glück. Kaum wird irgend ein Buchin der europäischen Kinderwelt solche Beliebtheit erlangthaben; in alle europäischen Sprachen, selbst in dieneugriechische, wurde es übersetzt, in die englische bis1806 fünfmal, ebensoviel mal in die französische, wäh-rend die deutschen Auflagen einander rasch folgten.
Dem Robinson folgte, während die Kinderbibliothek(der Almanach) sich fortsetzte, «die Entdeckung vonAmerika», drei Theile, dann die «Kleine Seelenlehrefür Kinder», hierauf die Bildungsschrist für Jünglinge«Theophron», später: «Väterlicher Rath für meineTochter», welches Buch das Seitenstück des Theophronfür die herangereifte weibliche Jugend bildete, undnoch mehreres andere.
Nach all diesen anerkannten rühmlichen und bil-denden Werken, nach so vielen Schriften voll Gemüth-lichkeit, Innigkeit, Eingehen in den Kreis kindlicher undjugendlicher Verstandeskräfte — wandte sich Campedem wichtigen Gebiete der deutschen Sprache zu undtrat gegen die heillose Sprachmengerei in mehrerenSchriften auf, nachdem er 1787 in Anerkenntniß seinergediegenen Wissenschaft im Erziehungsfach einer ehren-vollen Berufung als Herzogt. Braunschweigischer Schul-rath und Canonicus am St. Cyriacusstifte zu Braun-schweig Folge geleistet hatte. Sein bemühen, dieSprache zu läutern, fand vielen Beifall und viele Theil-nahme, wenn auch im kritischen bemühen Campe's undseiner Freunde vieles allzuschulmeisterlich genau ge-nommen wurde und daher manche Mühe vergeblichwar, denn der Genius der Sprache läßt sich nicht spa-nische Stiefeln und Daumschrauben anlegen, er wirktfesselftci und lebendig im Leben des Volkes und jedeZeit macht ihre Sprachweise. Immer aber bleibt dasStreben ehrenwerth,'die stolze und reiche Spracheunsers deutschen Vaterlandes nicht muthwillig mitFremdwörtern zu überbürden und zu verunstalten, wiees namentlich wieder durch die neuzcitliche Politik, wokaum eine Zeitungszcile ohne Fremdwort blieb, ge-schehen ist.
Campe vollendete nach segensreichem Wirken im72. Jahre seines Alters und nahm den Ruhm einesbiederen, strebsam tüchtigen, rastlos wirksamen Mannesmit sich in das Grab.