sonstige angenehme Bekanntschaft anknüpfte und fleißigenBriefwechsel mit begabten Geistern unterhielt. Er schriebin dieser Zeit seine berühmt gewordene «Epistel überdie Starkgeistcrei», reiste, um seine schwächliche Gesundeheit zu kräftigen, nach Frankreich , lernte die französischeBühne gründlich kennen, besuchte die Schweiz , wo erGeßncr und Lavater kennen lernte, und kehrte, geistigerfrischt, mit neuen Eindrücken und Plänen erfüllt,abermals nach Gotha zurück. In dieser seiner Vater-stadt begründete Götter wieder ein Gesellschaftstheater,an dem er nach jeder Richtung hin selbstthätig war,bis Gotha ein strahlender Stern der Kunst aufgingund eine Musterbühnc dieser Stadt durch die Gunsteines kunstsinnigen Fürsten zu Theil wurde, wie inDeutschland keine zweite bestand und bestehen konnte,denn Gotha vereinigte fast alle Vühncnberühmtheitenjener Zeit, und es war ja ohnehin noch nicht langeher, daß von einer solchen Berühmtheit überhaupt dieRede sein konnte. Die gefeierten Namen Eckhof, Bock,Brandes, Zsfland, Beil, Beck, Großmann und die DamenBrandeS, Sepler, Starke, Koch, Merccur u. a. warendort vereint und ihre Träger in ehrenvollster Weisekünstlerisch thätig, wobei Gotter's geistige Antheilnahmein mannichfachcr Weise fordernd zu Statten kam. Auchals Improvisator war Götter sehr glücklich, noch glück-licher aber dadurch, daß er nicht nöthig hatte, dieseschöne Begabung um Geld zu Markte zu tragen. Esstand in seiner Gewalt, kleine dramatische Sachen rundund leicht und geistvoll aus dem Stegreif zu bildenund vorzutragen, womit er sich und andern schöne ge-nußreiche Stunden in lebenvollen poesiednrchglühtenKreisen schuf. In den meisten Formen deutscher Dicht-kunst versuchte sich Götter; in den dramatischen wurdenPosse, Singspiel, Lustspiel und Trauerspiel von ihmangebaut; er war Lyriker, Elcgiker und Romanzen-dichter, und auch die seltener gepflegte poetische Epistelfand an ihm einen Freund. Nur das höhere epischeGedicht lag außer seiner Sphäre, dazu fehlte ihm wohldie Ruhe und die innere Anregung. Seine erstenTrauerspiele: «Elcktra», «Mcrope» und «Alzirc», schrieb
er nach französischen Vorbildern und in gereimtenAlexandrinern; zum Melodram «Medea» schuf der inGotha lebende bedeutende Tondichter Bcnda die Musik.Durch seine Singspiele machte sich Götter äußerst be-liebt, hier war er wohl mehr als Chr. Felir Weißc'sNebenbuhler, er übertraf ihn vielleicht. «Der Jahr-markt», »Romeo und Julie» und «das tartarischeGesetz», alle drei Singspiele, und eine Menge übersetzterOpern- und Opcrettentertbücher lassen Götter als indieser für den wahren Dichter allerdings nicht schwerwiegenden Gattung als Meister erscheinen, zahlreich sindaber auch seine vom fremdländischen Boden auf deutschenverpflanzten übrigen dramatischen Stücke.
Im Jahre 1780 verheirathete sich Götter underhielt 1782 den Posten eines geheimen Secretairs.Leider alterte er bei seiner zart organisirtcn, schwäch-lichen Natur sehr schnell und erreichte nur das 53. Le-bensjahr. Sein literarischer Nachlaß brachte noch manchesschöne Werk seiner Muse zur Erscheinung, darunterdas Trauerspiel «Mariane» nach la Harpe, das manals seine bedeutendste Arbeit anerkannte und das denWeg über alle deutschen Bühnen wandelte; dann «dieGeistcrinsel«, eine Nachbildung von Shakspcare's Sturm,welche von nicht weniger als vier Komponisten in Musikgesetzt wurde, von Zumsteeg, von Haak, von Fleisch-mannn in Mciningen und von Reichardt. In Prosaverfaßte Götter eine Charakterschilderung der Frau vonVuchwald, der Freundin und frühern Hofdame dergeistvollen Herzogin Luise Dorothea, geborne Prinzessinzu Sachsen Meiningen, beide Freundinnen Voltaires,von welchem letzteren Gotter's Buche einige Briefe bei-gefügt sind.
Einem großen Theil der Besten seiner Zeit thatGötter genug, er war vollkommen Meister der Sprache,eignete sich die fremden Formen mit Leichtigkeit an und'wußte sie mit Gewandtheit einzubürgern; seine Liederund Elegien sind leicht und gefällig, in der Form derpoetischen Epistel stand er allen seinen Zeitgenossenvoran.