zog 1784 »ach Dresden , wo er abermals und nichtohne Gluck und Verdienst als praktischer Arzt wirkte.Gleichwohl verleidete ihm mancherlei die ärztliche Praris,er gab sie auf und zog 178!) nach Leipzig , wo erfortgesetzten wissenschaftlichen Studien oblag und sichvorzugsweise mit Chemie und Schriftstellerei beschäftigte.Zahlreiche größere und kleinere Werke erschienen vonihm und gaben ihn als ein vielseitiges Talent kund;er verschmähte es nicht, selbst den Uebersetzer französischerWerke über Ligneur- und Essigfabrikation abzugeben,übersetzte aus dem Italienischen ein Buch über die KunstWein zu bereiten, und ließ einer Untersuchung überNatur und Kur der Lungenschwindsucht eine Ge-schichte von Abälard und Heloise vorhergehen.Ueber Ackerbau und LIateria moclioa, Pscrdearzncikundeund Balneographie, Physiologie und Pharmokopöcngingen Werke aus des fleißigen Mannes Feder hervor.Die kl.'itoria moclioa war es vornehmlich, die ihnendlich zu der durch ihn zuerst bekannt gemachten Ent-deckung führte, daß ein Arzneimittel die Krankheiterzeugen könne, die es heilt, und diese Erfahrung solleine eingenommene starke Dosis Chinarinde hervorge-rufen haben. Es ist um diesen Erfahrungssatz schona priori etwas mißliches, denn unbedingt heilt nichtChina jedes Fieber, und man giebt sie nicht in jedem,und noch viel weniger ruft China in jedem IndividuumFieber hervor. Trotz alledcm baute Hahnemann aufseinen Wahrnehmungen weiter, machte Versuche aufVersuche an sich, übte sie mit Erfolg bei andern, kurirteunter andern zu Georgenthal bei Gotha den durch dasSchandbuch «Barth mit der eisernen Stirne» wahn-sinnig gewordenen Klockenbring, und machte dadurchvieles Aufsehen. Von Georgenthal zog Hahnemann nach Walschleben, dann nach Pyrmont, nach Braun-schweig, nach KönigSlutter , und vermochte überall nichtder verlockenden Neigung zu widerstehen, nach mittel-alterlicher Weise, die sich aber in Thüringen namentlichbis zur neuesten Zei^ erhielt, selbst Arzeneien, verstehtsich sclbstbereitete, zu verabreichen, was ihm allseitsden Zorn der privilegirten Apotheker, und der Aerzte,die sich, bestehenden Gesetzen zu Folge, dieses nichtunterfangen durften, zuzog. Hahnemann nahm nacheinander später zu Hamburg, zu Altona, zu Eilenburg ,zu Wittenbcrg, zu Torgau und wieder zu Leipzig ,Aufenthalt, und trat nun mit der nach und nach vonihm ausgebildeten Heilmethode öffentlich auf. Es ver-ginge» indeß Jahrzehnte, ehe in die deutschen Apotheken

ein Gedanke der homöopathischen Lehre drang, draußenließ man die Gelehrten sich darüber streiten. Manverlachte diese Lehre und hielt sich an die großen Gläser,Pillen- und Pulverschachteln. Und statt mit gründlicherWisscnschaftlichkeit der Lehre von der homöopathischenHeilart entgegen zu treten, wurde sie mit der unwür-digsten Gemeinheit von vielen Gegnern bekämpft; niekam in einer wissenschaftlichen Streitsache so viel starreUnduldsamkeit, so viel Ungeschliffenheit und Pöbelhaf-tigkeit zu Tage, als in den gegenseitigen Parteischriftender Allopathen und Homöopathen, und es genügtevollkommen, zwei zu lesen, um an allen übergenugzu haben. Hahnemann's Hauptwerk führte den Titel:«Organon der rationellen Heilkunde», und erschien 1810.Es erlebte binnen 10 Jahren -4 Auflagen, und wurdein mehrere fremde Sprachen übersetzt, ebenso die «ReineArzneimittellehre», Dresden 18111821. 6 Theile.

Die neue Heilmethode gewann sich viele, und sehr be-fähigte Jünger, sie beeinträchtigte aber freilich das bis-herige ganze Apothekerwesen, das sich naturgemäß gegensie erhob, überall Verbote des Selbstdispensirens auchder homöopathischen Aerzte hervorrief, und dadurchderen Thätigkeit ebenso hemmte, wie die Hahnemann'sin Leipzig selbst. Da rief ihn aus dem gebotenenStillstand seiner umfassenden Praris der Herzog Fer-dinand zu Anhalt-Köthen in seine Residenz, und dortfand nun Hahnemann und seine Kunst eine schöneFreistätte. Mit dieser.Kunst und Lehre war es Hahne-mann ein heiliger Ernst, er verdiente nicht die Schmä-hungen seiner Gegner, sein strebender Geist forschteeifrig fort und bereicherte die Wissenschaft noch mitmancher neuen wichtigen Entdeckung. Am 10. August1829 wurde Hahnemann's Doctorjubiläum feierlich be-gangen, es wurde eine homöopathische Gesellschaft ge-gründet, und Hahnemann zu Ehren 1833 in Leipzig eine homöopathische Heilanstalt. Jetzt gehen in Deutsch-land die alte und die neue Lehre ziemlich friedlich nebeneinander, und auch für die beibehaltene alte bewirktedie neue das Gute einfacheren Heilverfahrens, einfachererArzneimiitelgaben. In Amerika überwiegt die Homöo-pathie aus natürlichen Gründen. Hahnemann verhei-rathete sich noch als 79jähriger Greis mit einer jungenFranzösin, zog nach Paris und beschloß daselbst seineTage im hohen Alter. Seine Verehrer, Schüler undAnhänger darunter viele tüchtige und würdigeMänner haben ihm in den Anlagen Leipzigs einDenkmal errichtet.