^1

Einleitung.

angeblichen Hofdienste jährlich eine Summe unter sich, die größerwar als der Aufwand für das Heer.

Der Historiker Spittler, der uns in dem Jahrzehnt vor derfranzösischen Revolution diese Dinge in seiner, der herkömmlichenDevotion gegen die herrschenden Kreise keineswegs entbehrendenGeschichte Hannovers (Göttingen 1786) schildert, zieht zum Ver-gleiche Württemberg heran, wo die Verhältnisse weit günstiger lagen,wo auch der steuerfreie Adel fehlte; aber auch in Württembergwurde der Bauer schwer gedrückt, namentlich durch die grausamenForst- und Jagdgesetze.

Wir haben ein Gedicht von Chamisso, das Gebet der Witwe,das vom heutigen Leser leicht für eine willkürliche Erfindungder Phantasie des Dichters gehalten wird. Der Gutsherr hörteine alte Bauersfrau beten, daß Gott dem gnädigen Herrn einlanges Leben schenken möge. Er ist sich bewußt, die Liebe seinerBauern nicht verdient zu haben, und fragt erstaunt, wie sie dazukomme, so inbrünstig für ihn zu beten. Sie sagt, die Not lehrtbeten. Acht Kühe hatten wir im Besitz: Ihr Herr Großvaternahm uns die beste davon für sich; als Ihr Herr Vater das Gutüberkam, da nahm er sich zwei davon, und als Sie höchstselbst Herrwurden, nahmen Sie uns vier:

Kommt dero Sohn noch erst dazu,Nimmt der gewiß die letzte Kuh.Laß unsern gnädigen Herrn, o Herr!Recht lange leben, ich bitte dich sehr.Die Not lehrt beten.

Was der Dichter hier schreibt, ist aber keine Erfindung, son-dern ein Bild der oft willkürlichen Steigerung der Abgaben, welchedie Grundherren beim Besitzwechsel forderten, und Akten, wie dieBerichte der pommerschen Kammer von 1748, besagen leider, daßdie Wirklichkeit an mancher Stelle in deutschen Landen hinter diesemBilde nicht zurückgeblieben ist.

Noch einmal muß hier der Blick aus das ganze System derStaatsverwaltung gerichtet werden. Überall herrschte der patriarcha-lische Absolutismus, der aber in der zweiten Hälfte des Jahrhun-derts überwiegend die Form des aufgeklärten, bei aller Gewalt-