Die Reichsstnnde, Dohnas Bcdcnkeil^

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baren Macht, welche Neichsstände vorzüglich in unglücklichen und ge-drückten Zeiten auf die Gemüter hätten, zusammenträte. DieStimmung in den Landtagsversammlnngen habe ein, wenngleich nuräußerst leises und kleines Vorspiel von demjenigen gegeben, was manzu erwarten haben würde.Überall war dieselbe Unfähigkeit, überalldieselbe gerügte Leideuschaftlichkeit . . . Die Formation der Reichs-stände in einem Augenblick, in welchem man zu harten Maßregelnschreiten muß, hat stets zu revolutiouären Bewegungen und zumVerderben der regierenden Familie geführt."

Dohna fürchtete also vorzugsweise die staatlose Gesinnung desAdels, und darum hielt er Notabelnversammlungen sür nochweniger nützlich als Reichsstände. Sein Nachfolger Hardcnbergaber bewog den König, in dem Edikt vom 27. Oktober 1810 dieBildung einer Nationalrepräsentation förmlich ankündigen zu lassen,uud berief eine Notabelnversammluug, die am 23. Februar 1811zusammentrat. Im folgenden Jahre ließ er in jeder Provinz zweiVertreter der Ritterschaft und zwei von Stadt und Land wähleu,also im ganzen vier, dazu uoch von jeder der drei ResidenzstädteKönigsberg, Berlin, Breslau je einen Vertreter. Sie sollten mitder Gencralkommission zur Regulierung der Provinzial- undKommuual-Kriegsschulden zusammentreten und mit ihr einen vor-läufigen Ersatz der Nationalrepräsentation bilden. Nach Zahl uudBefugnis blieben diese Repräsentanten erheblich zurück hiuter den 'Reichsständen des Königreichs Westfalen , in denen man zunächstdas Muster suchen muß, uud überdies regierte Hardcnberg meist,als ob die Versammlung nicht vorhanden wäre. Von einigenEdikten legte er ihnen die Entwürfe zur Beratung vor, aber diebesonders wichtigen Edikte über die Vermögens- und Einkommen-steuer vom 24. Mai 1812 und das Gendarmerieedikt vom 30. Juli1812 wurden vollzogen, ohne die Repräsentanten zu höreu. Steiuuanute diese Repräsentationtotgeborene Surrogate vom Tüchtigenund Wahren", und die Repräsentanten selbst empfanden es schwer,daß man sie so fast zum Gespött werden ließ. Sie machten mehr-fach Versuche, ihren Einfluß zu erweitern, und wiederholt kam inihnen der Gedanke zum Ausdruck, daß siedas Organ der Nation"seien und daß es notwendig sei, Preußeneine definitive Landes-