71!
Reform und Restauration.
soluten Herrscher über das unglückliche Spanien erhoben zu haben.Durch sein ebenso grausames wie planloses Regiment brachte ernamenloses Unheil über das Land und erstickte die Ansänge neuenLebens, die in der Not der Fremdherrschaft und des Freiheitskampseshervorgetreten waren und in Männern wie dem edlen Don GasparMelchior de Jovellanos tapfere Vertreter und bis in den Tod ge-treue Märtyrer gefunden hatten. Seitdem herrschen Elend undAnarchie jeder Art in dem einst so reichen und so stolzen Lande,und zugleich ist den monarchischen Interessen durch diesen Kronen-träger in gleicher Weise wie durch seinen Vetter in Neapel ein un-wiederbringlicher Schaden zugefügt worden. Als ob es nicht schonschlimm genug gewesen wäre, daß damals in England der Nameund die Ehre eines Königs und einer Königin dnrch den Schmutzeines Skandalprozesses ohnegleichen geschleift wurden!
Metternich sah auf dem Kongreß von Verona die Verbindungder Großmächte auseinanderfallen, als deren Orakel zu glänzen seinEhrgeiz war, doch hatte seine Meinung und seine Partei gesiegt,dort erschien er noch als das Orakel der Großmächte: aber darinlag kein Einfluß und keine Beteiligung des deutschen Bundes odergar der deutschen Nation an der europäischen Politik, ganz abgesehenvon dem Urteil, das man über diese Politik fällen mag. Deutsch-land sührte ein Stillleben, nur hier und da unterbrochen durch dieTeilnahme Einzelner an den Kämpfen der Griechen nnd später derKarlisten. Freilich hat Bayerns König in einer unklaren Ver-mischung seiner persönlichen Sympathien und Interessen mit denInteressen des Landes auch Geld des bayerischen Staates undbayerische Truppen nach Griechenland geschickt, um dort das Regi-ment seines Sohnes zu begründen (1833), aber es war das allesdoch zu unbedeutend, um für eine Unterbrechung des Friedens-zustandes gelten zu können, der in Deutschland herrschte. Deutsch-land durfte also seine Kraft ungestört den inneren Reformenwidmen. Aber diese Stille wirkte keineswegs besonders günstig aufdie innere Entwickelung. Es war ein träger nnd ruhmloser, umnicht zu sagen ein ehrloser Friede, da man andere Nationen überDinge entscheiden ließ, die Lebensinteressen unseres Volkes berührten.Gefahren von außen hätten vielleicht manche unselige Entwickelung