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Reform und Restauration.
absichtigen, so wäre eine solche Hoffnung HardeubergS nicht aus-sichtslos gewesen. Aber selbst wenn wir dies annehmen, bleibt dieRolle, die Hardenberg hier in Teplitz und dann in Karlsbad spielte,überaus kläglich. Er erniedrigte sich zum Werkzeug des Mauues,dessen Nival und Gegner er sein mußte, wenn er das große Werkseines Lebens, die Reform der preußischen Verfassung und die Er-hebung des preußischen Staates, durchführen wollte. So war esnicht unverdient, weuu Metternich in jenem Bericht an KaiserFranz von ihm folgende bitterböse Schilderung entwarf:
Der Fürst von Hardenberg ist moralisch wie physisch in eine beinahe anKindheit grenzende Schwäche verfallen. Er will das Gute, er erkennt sogardas Gute, cS wirken jedoch zwei Elemente, die für einen auf hoher Stufedes Einflusses stehenden Geschäftsmann stets die gefährlichsten siud, vermögefeines Zustandes von Schwäche heute noch stärker als früher auf ihn ein:das eine ist ein außerordentlicher Drang nach dem Rnfe der Liberalität, dasandere ciue unglückliche Neigung nach sonderbaren Umgebnugen. Er stehthente so, daß man ohne Übertreibung behaupten kann, daß ihn nicht einMann umgiebt, der nicht entweder im Sinne der reinsten Demokratie wäre,oder bereits als aktiver Teilnehmer an der Verschwörung gegeu den eigenenpreußischen Thron stände.
Metternich hat hier die Schwächen Hardenbergö einseitig be-tont und aufs äußerste gesteigert, er hat die positiven Seiten seinesWesens, seine Leistungsfähigkeit sür die Verwaltung, woriu erMettternich weit überlegen war, verschwiegen und hat schließlich überdie politische Stellung Hardenbergs offenbare Unwahrheiten hinzu-gefügt. Wir werden dem Urteil noch geringeren Wert beilegen,wenn wir uns erinnern, daß er im folgenden Jahre den Vertreterdes Kaisers von Rußland in Trovpau ganz ähnlich schilderte:„Capodistria ist kein schlechter Mensch, aber, aufrichtig gesagt, eingründlicher, vollständiger Narr. Ein wahres Wnnderwerk des ver-kehrten Sinnes." Aber diese Charakteristik dars darum doch nichtvergesset? werden und noch weniger, daß sie in jenen Tagen nieder-geschrieben ist. Sie ist ein ZengniS von der UnWahrhaftigkeit undvon dem inneren Zwiespalt dieser Menschen, die sich gebärdeten,als wären sie die einzigen Netter der Welt gegen Frevel undSünde; sie zeigt uns, aus welcher Brutstätte von Lüge und Ver-leumdung die Karlsbader Beschlüsse hervorgegaugeu siud.
Am gleichen Tage, da Metternich den Bericht au den Kaiser