Baden. Minister Winter.

147

Vorlage zu stimmen. Damals (1835) wurde ihueu der Urlaubselbst nur prekär oder zeitlich, d. h. für den Fall ihrer von derRegierung zu ermesscudeu Entbehrlichkeit für den Dienst und jedenAugenblick widerruflich erteilt. Obschon aber so die badische Re-gierung mehr und mehr in das Metternichschc Lager überging, sowurde doch die segensreiche Neformthätigkeit für die Hebuug desLandes nicht unterbrochen. Schon bis 1830 war viel geschehen:die Einteilung des Landes wurde neu geregelt, die Verwaltungvereinfacht, für Land- uud Wasserstraßen, für die Domänen unddas Bergwesen ciu besserer Betrieb geschaffen nnd die Finanzengeordnet. 1829 war das alte Defizit verschwunden, der Staats-haushalt ergab sogar eiuen Überschuß. Auf dem Gebiete derFinanzen hatte Baden in dem Präsidenten Böckh einen aus-gezeichneten Beamten. Handel und Industrie hoben sich allerdingstrotzdem nur langsam, weil die Zollschranken das langgestreckteschmale Ländchen nach allen Seiten hemmten. Begreiflich, daßhier deshalb schon 1819 der Gedanke an die Bildung eiues ge-meinsamen deutschen Zollgebietes austauchte, der aber nicht durch-geführt werden kouute. Erst als Badeu 1835 dem langsam sichausbreitenden preußisch-deutschen Zollverein beitrat, zeigte sichalsbald ein rascher Ausschwung des wirtschaftlichen Lebens. Da-mals begann namentlich Mannheim aufzublühen, das sich bisdahin nicht aus dem Elend hatte erholen können, in das es durchdie Leiden der Franzosenzeit gestürzt worden war. Noch 1825 hattedie Stadt die Einwohnerzahl (18000), auf die sie 1811 herab-gesunken war.

Unter den Beamten ragte der Minister Wiuter ganz besondershervor, durch seine Leistungen in der Verwaltung, wie durch Kraftund Geschicklichkeit in der Debatte. Die Rede, mit der er am13. Februar 1838 den Bau der Eisenbahu durch das Rheiuthalvon Mannheim bis Basel aus Staatskosten empfahl, ist ein Mnstergeschäftlicher Klarheit nnd kluger Einsicht. Es empfiehlt sich dabeizu verweilen, denn noch fehlte es in Deutschland an größeren Er-fahrungen, um auch nur über die Ertragfühigkeit selbst dieser be-vorzugten Bahnstrecke beruhigt zu sein, und es gehören deshalb

diese Verhandlungen zu den wichtigsten Vorgängen in der Ent-

10*