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Die Entwicklung der Einzelstaaten 1815—1840.
langem Ringen sich nur wenig erweiterte, bis am 14. Februar 1828Hessen-Darmstadt aufgenommen ward, 1833 aber die dnrch Sonder-vertrag vereinigten Bayern nnd Württemberg, ferner Kurhessen,das Königreich Sachsen und acht kleinere thüringische Staaten.In der Neujahrsnacht 1834 begann so die freie Bewegung desHandels in dem Gebiete eines Bundes von 18 deutschen Staatenmit 7719 Quadratmeilen und über 23 Mill. Einwohnern, dieunter Preußens Führung wirtschaftlich geeinigt waren. Die Ver-träge waren auf Zeit geschlossen, zunächst aus acht Jahre, und sinddann 1842, 1853 und zuletzt 1865 auf je zwölf Jahre wieder er-ueuert worden. 1851—53 und 1862—65 schien der politischeGegensatz gegeu Preußen namentlich die größeren Staaten zurLösung des Zollbundes zu treiben, aber die Macht der Interessen-gemeinschaft erwies sich jedesmal als stärker.
Dieser Buud bildete unter dem Namen des Zollvereins denAnsang eines deutscheu Reiches unter preußischer Führung, unddieser Anfang ist einer der stärksten Faktoren gewesen in dernationalen Bewegung, die dann schließlich 1866 nnd 1871 ihrZiel erreichte. Diese politische Bedeutnug ist auch vou Anfang anhervorgetreten und bereits 1829 in einer Denkschrift des Staats-ministers vvn Motz mit den stolzen Worten ausgesprochen: „Indieser aus gleichem Interesse und natürlicher Grundlage ruhendenund sich notwendig in der Mitte von Deutschland erweiterndenVerbindung wird erst wieder ein in Wahrheit verbündetes, voninnen und vou außen festes und freies Deutschland unter demSchutz uud Schirm von Preußen bestehen".
Man sieht, daß uicht nur Prophetennaturen wie Pfizer undDahlmauu aus der Enge nnd Bedrängnis der kleinen Staatenheraus ihre Hoffnung auf Preußen richteten; in der Mitte derviel geschmähten preußischen Bureaukratie und aus ihrer Arbeitheraus vermochte sich eine nicht weniger kräftige Blnme nationalerHoffnung und stolzen Selbstvertrauens zu erhebeu.
Das Aufsteigen des Bürgertums in den deutschen Staaten.
Der glänzende Erfvlg der Preußischen Finanz- und Zoll-politik darf uicht darüber täuscheu, daß die Bureaukratie an vielen