Die Liberalen. Rotteck.
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Geschichte zu und dem Kampfe für die politische Erneuerung desdeutschen Volkes und seiner Staatsversassuug. Rottecks Leben ver-floß einfach: in der Stadt Freibnrg geboren blieb er hier oder inder Nähe bis an sein Ende: Arudt hatte dagegen ein sehr bewegtesLeben. Arudts wichtigste politische Thätigkeit fällt in die Zeit derFremdherrschaft und des Befreiungskrieges. Rotteck verdoppelteseineu Eifer, seitdem das mit den Karlsbader Beschlüssen beginnendeRegiment des Druckes den Deutschen die Frucht des Sieges zuraubeu drohte. Mit deu „Jdeeu über Landstände" begleitete er dieAnsänge des konstitutionellen Lebens in den süddeutschen Staate»,und als dann die Bundesbeschlüsse von 1832—34 jeden Restbürgerlicher Freiheit zu ersticken versuchten, da erhob er sich mitfeinen Freunden, um in dem Staatslexikon ein Glaubensbekenntnisder mouarchisch-konstitntionellen Partei aufzustellen uud eiue Waffezum Kampfe für diese Fahne zn schassen. Sein Kamps richtetesich nach zwei Seiten, gegen den Absolutismus wie gegen denRadikalismus, dem er die Massen zulaufen sah, weil jede Hoffuungaus gesetzmäßige Freiheit unter solchen Regierungeil unmöglich schien.
Die stärkste Kraft Rottecks lag iu seiner Hingabe. Er schrieb nichtbloß: „Freiheit und Recht sind die Losungsworte der heutigen Zeit",sondern er „lebte ganz, er lebte mit aller Liebe nnd mit alleinHaß, mit allen Kräften seiner tüchtigen Natur und mit willigerAufopferung der Einen Idee — nnd dadurch war er groß". Soschilderte ihn der Freund Welcker: aber ganz verschiedene Menschen,wie Menzel, Varnhageu von Ense nnd der Arndt noch mehr alsRotteck verwandte Zschokke, äußerten sich ähulich. In jener Zeitdes Druckes uud der Gewalt ist Rotteck Tausenden ein Halt ge-worden und hat in ihnen die Hosfnnng wieder geweckt, daß auchden Deutschen eine Zeit gesetzmäßiger Freiheit und eines wirklichenStaates kommen werde. Wir sollen seiner nicht vergessen, diewir im Schatten des Reiches sitzen uud weuigsteus einige Grund-gedanken des Rechtsstaates verwirklicht sehen. Rotteck bekannte sichals Vertreter des Bernuustrechts und war wissenschaftlich derGegner der historischeu Rechtsschule. Aber ihren wichtigsten Satz,daß man Recht und Staat uicht uach Willkür gestatten könne, hatauch Rotteck im wesentlicheu anerkannt. Sein Kampf, wenigstens