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Die Bildung der Parteien.

geht er kühl hinweg. Der Leser erhält kein Bild von der Ausartungdes Despotismus dort und dem Druck des Adels hier, alles er-scheint glatt und gut, nirgend spürt man, daß Grund vorhandenwar für das Volk, Ketten zu zerreißen: man muß glauben, daß eskeine gab. Nicht weuiger bezeichnend für die Stellung dieser poli-tischen Gruppe ist die Beobachtung, daß Ranke in der doch zunächstfür Deutsche berechneten Historisch-Politischen Zeitschrift über Dutzendevon italienischen und französischen Werken und Flugschristen zumTeil ausführlich berichtete, dagegen über die zahlreichen Schriftender deutscheu Publizistik jener Tage, selbst über Psizers Brief-wechsel (1831) und Erörterungen (1835), und über DahlmannsPolitik (1835) schwieg. Seine Charakteristik des Liberalismus wäreallerdings rettungslos widerlegt worden, wenn er dieser ebenso tiefenwie maßvollen Arbeiten gedacht hätte. Es handelt sich aber hiernicht um die Mängel der Zeitschrift, sondern um die Thatsache,daß verhältnismäßig so unabhängige Gruppen der der Regierungnahestehenden Kreise die Anschauungen totzuschweigen suchten, die inso wichtigen Schichten der Bevölkerung und von unzweifelhaft maß-vollen und der Verhältnisse kundigen Männern vertreten wurden.

Aus freilich ganz entgegengesetzten Grüuden schwieg Rankeauch über die staatsrechtlichen Theorien und politischen SchriftenJarckeS, obschon er am besten wußte, wie einflußreich jedes Wortdieses Liebliugs der Hofkreise war, und ebenso über die wich-tigsten Fragen des Tages. Wohl hat er einige vortreffliche Auf-sätze über Preußens Zoll- und Handelspolitik, über die Arbeitender sächsischen Kammer und auderes gebracht, aber das meistewurde libergangen. Ja, er schwieg nicht nur über die Notständeim Bunde und in den Einzelstaaten, sondern er gewann esüber sich, vom Bunde zu rühmen, daß er dasMilitärwesen mitSorgfalt, Einsicht und dem besten Willen" geregelt habe. SolchesBeschönigen von solcher Seite lehrt uns verstehen, wie notwendiges war, daß andere diese Zustände um so schärfer in eine andereBeleuchtung rückteu.

Und doch ist gerade diese Zeitschrift ein Zeichen, daß die Parteider Abfolntisten in der Auflösuug begriffen war. Hallers roheAuffassung des Staates fand in ihr keine Vertretung, vielmehr