Eichhorn. Die evangelische Kirche . 279

gefaßt wissen wollte, erscheint dem Volke .besonders befähigt n»dverpflichtet, solchem Unrecht zn steuern; es verliert den Boden, wennes diese Pflicht nicht erfüllt. Dazu gesellte sich noch ein andererZweifel. Die Regierung legte bei jeder Gelegenheit großes Gewichtauf die Verbreitung von Frömmigkeit nnd guter Sitte: wie kannsie, fragte man, dabei die unentbehrlichste Gehilfin, die Volksschule,in einem Zustande lassen, der ihre Wirksamkeit lahmt nnd oftanch ins Gegenteil verkehrt?

Nicht glücklicher war Eichhorns Hand in Sachen der evan-gelischen Kirche. Die protestantische Kirche Preußens hatte schonim 18. Jahrhundert begonnen sich ans der Abhängigkeit von derlandesherrlichen Gewalt zu lösen. Die Thatsache, daß verschiedenechristliche Kirchen in Preußen nebeneinander standen, entzog deinalten Recht, welches dem Landesherrn auch die Gewalt über dieKirche in die Hand gab, den Boden, aber sie beseitigte es nicht.Das Landrecht faßte jede der drei Kirchen als Religionsgesellschaftenim Staate ans, die unter Leitung des Königs ihre Interessen Pflegensollten. Die katholische Kirche hatte eine Verfassung, die ihr dabeieine weite Selbständigkeit ermöglichte, die beiden evangelischenKirchen entbehrten einer solchen Verfassung. Friedrich Wilhelm III.erließ von 18151817 einige Verordnungen, um ihre selbständigeOrganisation anzubahnen, aber der Minister Altenstein hemmte dieweitere Entwicklung. Friedrich Wilhelm IV. nahm den PlanWieder auf, jedoch in einem Sinne, der den Vorstellungen derevangelischen Gemeinden so fern lag, daß man ihn nicht einmalverstand, wenn er davon redete. Als ihm 1845 der BerlinerMagistrat eine Petition gegen die Maßregelung von Geistlichenüberreichte, die sich an den Bestrebungen der Lichtfreunde be-teiligt hatten, da sprach der König von seiner Hoffnung auf eineVerfassung der evangelischen Kirche , die ihm gestatte, die Kirchen-gewalt aus seiner Handin die rechten Hände" zu geben. Mandentete das auf Synoden und Presbyterien, der König aber dachtean Bischöfe, deren Amt er nach dem Muster der englischen Hoch-kirche gern erneuert hätte.

Eichhorn teilte diese Gedanken nicht und hoffte, den Königsür eine näherliegeude nnd den Wünschen und Bedürfnissen der