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Vor der Rewlutiou. 18401848.

Gemeinden mehr entsprechende Verfassung zu gewinnen, die sie be-fähigte, die Aufgaben zu löseu, die die Verwaltung nicht wohl lösenkonnte. Wie die politischen, so drängten also auch die kirchlichenVerhältnisse über den Absolutismus hinaus aus eine repräsentativeVerfassung. Und die Analogie reicht noch weiter. Gleichzeitig mitden Forderungen einer Repräsentativverfassung der Landeskirche inPrenßen erhob sich die Forderung, die evangelischen Kirchen derverschiedenen deutschen Bundcsstaaten zu einigen, ihnen eine ge-meinsame Organisation zu gebeu. Die Anregung dazu ging vonWürttemberg aus und zwar von dem Könige selbst, der sich deshalb1843 an Prenßen wandte. Diese Verhandlungen hatten erst 1854nnd auch da nur einen sehr bescheidenen Ersolg, indem die soge-nannten Eisenacher Konferenzen begründet wurdeu: aber man wirdes doch als ein wesentliches Merkmal der nationalen Bewegungder vierziger Jahre sesthalten müssen, daß der König von Württem-berg bei Preußen eine nationale, allgemein deutsche Organisationder evangelische» Kirche anregen konnte.

Auch die Bemühungen Eichhorns, die Synodalverfassnng derprcnßischcn Kirche anszubanen, hatten keinen Erfolg. Die Be-schlüsse der ersten Generalsynode von 1846, die übrigens ihrer Zu-sammensetzung und rechtlichen Stellung nach nnr eine kirchlicheNotabelnversannnlung war, wurden mit zu geringen Majoritätengefaßt, und was sie beschlossen, enthielt nichts von der bischöflichenOrganisation, die des Königs Ideal bildete. So kam es nicht znrAusführung und ist erst bei der Synodalordnung von 1873 nutz-bar gemacht worden. Nicht weniger unbefriedigend waren die Be-schlüsse der Synode über die Lehrverpflichtnng der Geistlichen, diedamals der Regierung große Schwierigkeiten bereitete.

Die evangelische Theologie war seit Anfang des Jahrhundertsin kräftiger Entwickelung begriffen. Die große philosophische Arbeit,die seit Kaut iu Deutschland von Tausenden geleistet oder begleitetworden war, hatte einen Znstand der Geister geschaffen, dem wederdie alte Orthodoxie noch der alte Rationalismus genügen konnte.Das Grundprinzip der evangelischen Freiheit machte es unmöglich,die Theologie mit einem eisernen Schutzwall gegen diesen Stromsreieslcr Forschung abzuschließen. Der evangelische Glaube hätte sein