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Bor der Revolution. 1840—1848.
ein Regierungssystem sei, das die Grundlagen der Familieu-vrdnung den wechselnden Stimmungen dieser überempsäuglichenuud phantastischen Natur preisgab. Weiter empsand man es alsein Mißgeschick, daß diese frömmelnden und beim Volke teilweiseals Heuchler verschrieenen Personen die maßgebenden Männer desKirchenregiments gerade in dem Aligenblick beeinflußten, als dieFrage der Lehrverpflichtuug der Geistlichen praktisch wurde.
In Preußen war die überlieferte Vorschrist der Verpflichtungdurch eine Verordnung von 1813 beschränkt worden, uud die Durch-führung der evangelischen Union von 1817 nötigte dazu, dieseFreiheit auch in der Periode der Restauration möglichst zn wahren.Der König ordnete später zwar wieder eine Verpflichtung au, aberfie erfolgte meist nur dahin, Gottes Wort rein und lauter zu ver-künden, ohne Nennung bestimmter Symbole.
Die neu-orthodoxe Partei forderte damals nun überall einestrengere Vorschrift, und in verschiedenen anderen Landeskirchen, soin Hessen uud Bayeru, kam es darüber auch in den dreißiger Jahrenzu erheblichen Kämpfen. In Preußen gewannen sie größeren Umfaugals sich seit 1841 an verschiedenen Orten, namentlich in der Pro-vinz Sachsen, die Vereine der „Lichtfreunde " oder „ProtestantischenFreunde" bildeten. Sie schlössen sich um einige Geistliche zusammen,die sich von den Formeln der Symbole und von der darin fest-gehaltenen Legende uicht mehr biudeu lassen wollten. Der Königund sein Minister waren darin einig, daß Männer, die dergleichenAnsichten öffentlich bekannten, nicht länger Geistliche der evan-gelischen Kirche bleiben könnten, und entsetzten mehrere ihres Amtes.Dadurch riefeu sie aber einen Widerstand wach, den sie nicht wiederüberwuuden haben. Keiner von jenen radikalen Geistlichen wieUhtich, RuPP und WislicenuS hatte eine größere persönliche Be-deutung, aber es waren doch ehrliche Männer, und ihre Gedankensanden Widerhall iu deu Kreisen der besten Bürger. Ju demkleinen Nanmburg sammelten sich zu der von Uhtich berufenenVersammlung über 1000 Menschen, und bei dem Festmahl, dasihm zu Ehreu gegeben wurde, trug der Präsident des Oberlandes-gerichts ein begeistertes Gedicht vor, das den einfachen Mann wieeinen Bahnbrecher und Erlöser seierte. Schon solche Vorgänge