Der Dresdener Aufstand. Mai 1849.

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Reichsverfassung, die ordnungsmäßig berufen war, zur Unzeit ver-bot, und die Stadtverordneten ließen sich dnrch Maueranschlag zueiner Sitzung berufen, nm einen Landesverteidigungsausschuß zuernennen, wählten diesen Ausschuß, und als der Magistrat dein nichtbeistimmte, wühlten sie einen anderen Magistrat, der sich dannder Leitung der Geschäfte bemächtigte. Vom Saale des Rat-hanses der Landeshauptstadt ergingen nun Bitten uud Gebotein das Land, sich für die Reichsverfassnng zn erheben. DieStadt Zwickan sandte die Bürgerwehr, Leipzig hat sich als Stadtnicht beteiligt, trat aber auch nicht für die Regieruug eiu, souderustellte sich unter den Schutz der Reichsverfassung, und von Leipzig ,Chemnitz und audereu Orten kam mancher tüchtige Mann undmanche geordnete Schar. Anch die provisorische Regierung zähltetüchtige und ernsthaste Männer in ihrer Reihe und unter ihrenGehilfen. Der große Architekt Hofbaumeister Semper leitete denBau der hnndertuudacht Barrikaden der Altstadt; der HoskapellmeisterRichard Wagner , der begeisterte Humanist Köchly waren nnterden Eifrigsten. Der Geheime Regieruugsrat Todt und der imganzen Lande hochangesehene Kreisamtmann Heubner, der Chem-nitzer Fabrikant Augnst Dolge nnd andere bewiesen, daß nicht nurPoeten und Gelehrte, sondern daß anch hervorragende Vertreterder Verwaltung und des Geschästslebens die Überzeugung hegten,der Augenblick sei gekommen, alles an alles zn setzen, selbst dasUnheil einer Revolution nicht zu scheuen, um dem deutschen Volkedas lang ersehnte Vaterland zu schaffen.

Hätte der König statt des windigen Herrn von Beust einenRatgeber von gesundem Schrot und Korn gehabt, so hätte Sachsendurch diese Krisis vielleicht ruhig hiudurchgeführt werden mögen,aber so kam es zn einem erbitterten Kampfe, der vom 4. bis9. Mai andauerte uud die Stadt mit Ruiueu bedeckte. DerAufstand versügte ungefähr über 10000 Bewaffnete, die Regierunghatte etwa 5000 Mann Infanterie, nnter ihnen 2000 Preußen ,die auf die Bitte des Königs zu Hilfe eilten und den Kampfentschieden.

Die Gemäßigten behielten in Frankfurt auch in diesen ersten

Wochen des Mai so weit die Oberhand, daß sie die Anträge der

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