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Die Revolution von 1848 und 1849.
Linken ablehnen konnte,:, welche das Volk unter die Waffen rufenund die Revolution in ganz Deutschland organisieren wollte.Sie ließen sich auch nicht durch den von Karl Vogt mit großerSchärfe ausgesprochenen Gedanken verleiten, daß nur so einerallgemeinen Anarchie vorgebengt werden könne. Der Gedankehatte ja einen gewissen Schein für sich, aber die Kaiserparteilehnte ihn ab, weil sie sich sonst willenlos dem Radikalismus hin-geben mußte, in dessen Reihe jetzt die wildesten und politischenErwägungen am wenigsten zugänglichen Persönlichkeiten, wie derAdvokat Erbe und der Anträge häufende Wesendonk, steigendenEinfluß gewannen. Dagegen wurde am 10. Mai ein Antrag (mit188 gegen 147) angenommen, der das Einschreiten Preußens inSachsen „als schweren Bruch des Reichsfriedens" verurteilte unddie Reichsregierung aufforderte, mit allen ihr zn Gebote stehendenMitteln dem entgegenzutreten. Die Führer der Kaiserpartei hatteuzwar dagegen gestimmt, aber Männer wie Arndt, Beseler, Dahl-mann, Waitz, Duncker, Rümelin, Stahl, Stenzel hatten einenGegenantrag unterstützt, der in einer allgemeineren nnd milderenForm doch ebenfalls den Tadel aussprach, daß Preußen ohne Er-laubnis der Centralgewalt in Sachsen eingeschritten sei.
Schon hier zeigte sich, daß die Stellung der Gemäßigten un-haltbar geworden war, uoch mehr, da der von der Reichsregierungin die Pfalz entsendete Kommissar nicht die Ordnung hergestellt,sondern die Revolution durch die Autorität der Centralgewaltgestärkt hatte. Am 10. Mai trat das aus der Mitte der Kaiser-partei hervorgegangene Reichsministerinm Gagern zurück, unddas dann vom Reichsverweser ernannte Ministerium Grüvellgeriet sofort mit dem Parlament in offenen Konflikt. Es nahtedas Ende. Am 14. Mai erklärte der König von Preußen, wiedas nach dem Beschlusse vom 10. Mai uicht anders zu erwartenwar, in einer Proklamation, daß Preußen „die Versammlung nichtlänger als auf gesetzlichem Boden stehend . . . und als die gesetz-liche Vertretung der gesamten deutschen Nation ansehen" könne,und rief die preußischen Vertreter zurück. Zur Beruhigung ver-sicherte er in einer weiteren Proklamation vom 15. Mai, daß erselbst das in Frankfurt begonnene Werk vollenden und der deut-