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scheu Nation in kürzester Frist eine Versassung schaffen werde, dieihr gewähre, „was sie mit Recht erwarte". Am 19. Mai riefendie sächsische und am 23. Mai auch die hannöversche Regierungihre Abgeordneten zurück, und diese Akte beschleunigten die innereAuflösung des -Parlaments. Zwar folgten auch Männer wieArndt, Dahlmann und Droysen dem Rufe nicht sofort, stimmtenvielmehr noch am 16. Mai für einen Beschluß des Parlaments,daß keiner Regieruug das Recht zustehe, die Abgeordneten zurückzu-rufen: aber wenige Tage darauf lageu die Dinge so, daß dasParlament sich auflösen oder sich ganz mit den ordnnngslosenGewalten verbinden mußte, die jetzt in Baden und in der Pfalzgeboten.
Die Gemäßigten schieden in immer größerer Zahl aus. Am21. Mai wurde gar die Austrittserklärnng von 66 Mitgliedernder Kaiserpartei verlesen, darunter Gagern, Simson, Dahlmanu,Arndt, Mathy und viele andere besonders hervorragende Namen,und es schlössen sich ihnen bald noch viele andere mit ähnlichenErklärungen an. Sie schieden voll Trauer, aber doch getrostenMutes, daß die Arbeit der Versammlung trotzdem nicht vergeblichgewesen sei. Das war schon in der Rede Beselers vom 4. Maizu einem vollendeten Ausdruck gekommen und klang in manchemanderen Worte wieder, am schönsten in dem Liede, mit dem sichder ehrwürdige Arndt darüber tröstete, daß er nnn zum zweiteuMale und nun als ein achtzigjähriger Greis um die Hoffnungbetrogen sei, Bürger eines Deutschen Reiches und eines freienStaates zu werdeu.
Du hast von Kaiserstolz geträumt,Vergrab einstweilen deinen Fund!Die Besten wissen, wo er liegt,Einst heben sie ihn ans Sonnenlicht.Wir sind geschlagen, nicht besiegt,In solcher Schlacht erliegt man nicht!
Der radikale Rest, jetzt nur noch ein Rumpfparlament, ver-legte am 30. Mai 1849 mit 71 gegen 64 Stimmen seineu Sitznach Stuttgart uud hat dort uoch sieben Sitzungen gehalten,die letzte am 18. Jnni, hat die Vollmacht des Reichsverwesers siir