Der badische Ausstand. 1849.
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in den entscheidenden ersten Tagen gefördert. Diese Thatsache istnicht wegzuleugnen, und auch nicht mit allgemeinen Worten überdie Unruhe der Zeit und die Unklarheit der Jugend oder derDoktrinäre wegzudenteln: man wird sie prüfen müssen.
Auszugehen ist davon, daß es wirklich eine Zeit nicht nnrvon Tagen, sondern von Wochen gab, in denen es schien, alswerde sich das Volk allerorten erheben, um die Durchführuug derReichsverfassung zu erzwingen, als komme es nur aus die letzteAnstrengung an. Wohl war schon um die Mitte des Mai jedeHoffnung auf eine Erhebung in Preußen und dem übrigen Nord-deutschland eitel, aber wenn wir das heute sehen, so war das injenen Tagen selbst nicht so bestimmt zu erkennen. Vielmehrmußten die Erzählungen von dem Kölner Städtetage und vondem Siege der Landwehrleute in Elberfeld noch lange ihre Wirkungüben, wie auch die Nachricht, daß konservative Männer und preußischeBeamte wie Arndt und Dahlmann dem Befehl des Königs vom14. Mai, der sie von Frankfurt abrief, deu Gehorsam weigertenund dem Könige das Recht absprachen, solche Befehle zu erlassen.War es undenkbar, daß der so leicht von einem Äußersten zumandern umschlagende König das reaktionäre Ministerium eutließuud dem Volke gewährte, was es svrderte? Auch zeigt ein Tages-befehl des bayerischen Ministeriums vom 24. Mai 1849, daß nichtviel fehlte, um die bayerische Armee in ähnliche Bahnen zu treiben,aus denen die badische Armee der Revolution dienstbar gewordenwar. Dann aber hätte Württemberg nicht gezaudert, sich ebenfallsanzuschließen. Wurde doch hier au dem gleichen Tage, am24. Mai 1849, in der Kammer beantragt, Württemberg solle mitBaden, also mit jener revolutionären Regierung und ihremmeuterischen Heere, eiu Bünduis schließen, um gemeinsam dieDurchführung der Neichsverfassung zu erzwingen. Dann würde sichin Sachsen der Widerstand erneuen und das Rheinland sich er-heben. Der Minister Römer sprach gegen den Antrag, aber nurweil die Kräfte Württembergs gegen Preußen zu schwach seien;an und für sich billigte er den Gedanken durchaus. „Ich zolledieser Auffassnugsweise", sagte er, „wenn man sie von Seite desHerzens aus beurteilt, meine vollständige Anerkennung ... ich