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?ie Revolution von 1848 und 1849.
würde von Herzen gern zu einem solchen Ansinnen die Handbieten, wenn ich nicht der Überzeugung wäre, daß unsere Krüste hierviel zn schwach sind." Auf einen Anschluß der Rheinprovinz andie Bewegung sei nicht zu rechnen, die partiellen Widerständeseien gebrochen.
Besonders aber ist zu betonen, daß das Frankfurter Parla-ment diese Aufstände iu mancherlei Weise gefördert hat, und zwarin einer Zeit, in der auch uoch konservative Männer an denBeschlüssen mitwirkten. Ähnlich mußte die Kuude wirken, daß inDresden ein Hosbanmeistcr die Barrikaden gebaut hatte und hoheRegieruugsbeainte Mitglieder der provisorischen Regierung gewesenwaren. Welch ein Stoff war in diesen und ähnlichen Thatsachenfür Redeu uud Flugblätter der Demagogeu gegeben! und welcheine Quelle vou Vorwäuden, mit denen sich viele selbst täuschtenuud bei der Bewegung festhielten, von der sie nun einmal seiteinem Jahre im Innersten ergriffen waren! Als ein Zeichen derZeit und ihrer Genussensverwirrung mag hier ein Lied stehen, dasJnstinus Kerner damals über die echte Soldatentreue dichtete:
Gleich einer Mauer fest umstellt
Deu Fürsten, der zum Volke hält.
Doch zeigt der Fürst sich abgewandt
Bon seinem Volk, von deutschem Land, — —
Dann trauert um deu Fahneneid
Und fühlt es mit erzürntem Leib:
Ins Herz gelegt hat die Natur
Euch einer ältern Treue Schwur.
Dann gelt' euch die Soldatentreu',
Die treu am Volk hängt ohne Sehen!
Der Fürst, der Treue fordern mag,
Leg' als der Erste Treu' an Tag.
Man mag sich heute über solche Worte entrüsten, aber mankommt doch über die Thatsache nicht hinweg, daß ein so sein-fühlender, ehrlicher nnd treuer Manu, der überdies uoch im Juli1848 von dem ganzen „Freiheitslärm" nichts wissen wollte, imFrühling 1849 so denken nnd solche Ratschlüge geben konnte.Man kann sich auch eutrüstcu über Schills Desertion und JorksKonvention uud wird dvch bald begreifen, daß es die Thatentreuer Männer waren, uud daß sie von treuen Männern so be-