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Regentschaft und Anfänge König Wilhelms I.

ob dies dienene Nra", ob dies das Preußen fei, welches Recht und Gesetzüberall zur Geltung zu bringen sich vermessen, welches das Recht in Hessen und Holstein zu schützen über sich genommen, welche?, pochend auf dieeigene Rcchtschaffenheit uud auf seiner Hände Reinheit, auch nußcrdcntschenStaaten und ganzen Nationen die Pflichten des Völkerrechtes, die GrenzendeS Erlaubten und des Unerlaubten eingeschärft habe. Im ganzen Um-fange der Sache und im ganzen Umfange der Öffentlichkeit, uud raschendlich, wie als ob dieser Augenblick der letzte wäre, muß eingeschrittenwerden. Ist denn nicht in der That für den, der seine Ehre an die Durch-führung des Rechts geknüpft hat, ja, der seine Existenz auf die Spitzedieses großen Grundsatzes gestellt hat, ist nicht allemal für diesen der ersteMoment, der ihm den Verfall der Rechtsordnung offenbart, der letzte fürden Entschluß, sie zu retten nnd herzustellen'?

Wieder zeigte sich die enge Verbindung dieser liberalen Parteiin Preußen mit der nationalen Bewegung in Deutschland . Siekonnte Preußens innere Entwicklung nur im Znsammenhange mitder Ausgabe Preußens sür die Einigung Deutschlands ersassennnd Pflegen. Darin begegnete ihr seit Jahren der aus den Reihenihrer Gegner hervorgegangene Otto v. Bismarck , der damals, vomMärz 1859 bis Ende April 1862, Gesandter in Petersburg war.Er war ein sremdartiges Element ii? dieser Regierung der neuenÄra, scheiubar der schlimmste Rest der Reaktionsregierung, that-sächlich aber freier von den hemmenden Bestandteilen ihres Pro-gramms als die liberalen Minister des Regenten.

Die Stimme der Preußischen Jahrbücher verhallte erfolglos,obwohl zahlreiche andere Zeitnngen und Zeitschriften sich ähnlichäußerten. Der Regent hatte eine große Scheu vor dem, was ihmals Nachgiebigkeit gegen die öffentliche Meinung erschien, und erhatte zur preußischen Versassung keine klare Stellung. Wohl hater sie iu der Thronrede vom 12. Januar 1859 ausdrücklich zuformulieren unternommen: auf der Fahne, die er hochzuhaltengelobt habe, stehe:Königtum von Gottes Gnaden, Festhalten anGesetz und Verfassung, Treue des Volkes und des siegbewußtenHeeres, Gerechtigkeit, Wahrheit, Vertrauen, Gottesfurcht." Aberdas sind vieldeutige Worte, nnd zu Ansang hatte er mit besonderemNachdruck betont, daß er Preußens Regierung sühren wolle ausseinem Wege,in den von mir unverrückbar gezogenen Grenzen".Nahm er da uicht wieder alle Gewalt in Anspruch? Mußte man