Das Vertrauen in Mißtrauen verkehrt.
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nicht den Begriff des Königtums von Gottes Gnaden nach diesemSatze auslegen? War das nicht schließlich die gleiche Auffassungwie bei Friedrich Wilhelm IV. ? Die so dachten, fanden nun auchin früheren Äußerungen des Königs, auch in dem Programm vom8. November 1858 ähnliche Worte. Und sicher wäre es ein Irrtum,wollte man ihn in dieser Zeit als Vertreter, der konstitutionellenGedanken auffassen, die Bismarck später in seinem Namen alsdas Wesen der preußischen Versassnng im Gegensatz znr englischenin der Konfliktszeit gegenüber der Fortschrittspartei vertrat. Nie-mals hätte er sonst Mänuer wie Simons als Minister beibehaltenoder Edwin v. Mauteuffel zu seinem Vertrauten machen uud inRoon einen ausgesprochenen Gegner der Verfassung ins Mini-sterium berufen köunen. Auch ist zu beachten, daß seine Gemahlin,die alle Zeit einen großen Einfluß auf ihu auszuüben wußte, einenKreis von Politikern um sich versammelte, den Bismarck schon imJannar 1859 als „das Lager der Jesuiten " bezeichnete.
An ähnlicher Unklarheit und Schwäche wie der Regent litte»seine Minister, und namentlich mußte Gras Schwerin, der denKonservativen wegen der liberalen Gloriole verhaßt war, die ihnumschwebte, bald auch bei den Liberalen das Vertrauen verlieren,das ihm zunächst entgegengebracht wnrde. Duldete er doch, daßnicht wenige Beamte seines Ministeriums nach der reaktionärenTradition weiter regierten und ihren liberalen Ches und seine Ver-ordnungen ignorierten. Ein märkischer Landrat hatte die Dreistig-keit sich zu rühmen, daß er die Erlasse des Ministers überhauptnicht lese, geschweige denn sie befolge: und der Mann blieb bis indas Jahr 1860 hinein im Amte, wnrde auch dann nicht beseitigt,sondern ging, weil es ihm gefiel.
Wichtige Maßregeln wurden so verschleppt oder verdorben,und die Minister selbst haben Gesetzesvorschläge, die sie sür dringendnotwendig hielten und in denen das Volk die Beweise suchte, daßmit der Reaktion aufgeräumt werden solle, ohne Kraft vertreten.Namentlich ließen sie das Gesetz, das die Steuerprivilegien derRittergüter beseitigen sollte, und die Vorlage über die Civilehe andem Widerstande des Herrenhauses scheitern.
Aus den verwickelten kirchlichen Verhältnissen waren für das