Die Fricdensbedingungen. BiSmarck und der König.

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einige böhmische Grenzstriche. Bismarck einPfahl dagegen Hannover ,Knrhessen und Nassau ganz zu nehmen, von Bayern und Sachsenaber uud von Österreich kein Land zu fordern. Anch in derPresse ließ er diese Gedanken vertreten. Ein Artikel des Staats-anzeigers vom 23. Juli führte aus, daß der Gewinn etwa vonBöhmen und Mähren für Preußen gar nicht erwünscht sein könne,schon deshalb nicht, weil sie eine starke Bevölkerung nichtdeutscherNationalität Hütten und dadurch dem Zustandekommen eineSdeutschen Parlaments Hindernisse bereiten würden.

Znletzt drehte sich der Streit namentlich noch um Sachsen.Österreich bestand darauf, daß Sachsen seinen Besitz unverletzt be-halte, und am 24. Jnli legte Bismarck dem Könige eine Denk-schrift vor, die in kurzen Worten noch einmal die Thatsachen zu-sammenstellte, die dafür sprachen, Österreichs Forderung zn gewähren.Darin hieß es:

Der Ausschluß Österreichs aus dem Bunde in Verbindung mit derAnnexion von Schleswig-Holstein, Hannover , Knrhessen, Oberhessen undNassau darf als eiu Ziel angesehen werden, so groß, wie es bei dem AuS-bruch des Krieges niemals gesteckt werden konnte. Wenn dieses Ziel durcheinen raschen Abschluß von Präliminarien aus dieser Basis gesichert werdenkann, so würde es nach meinem allerunterthänigsten Dafürhalten ein poli-tischer Fehler sein, dnrch den Versuch, einige Quadratmeilen mehr von Ge-bietsabtretung oder wenige Millionen mehr zn Kriegskosten von Österreich zn gewinnen, das ganze Resultat wieder in Frage zu stellen.

An der Hand dieser Denkschrift entwickelte Bismarck demKönige die Gründe, welche den raschen Abschluß des Friedensnotwendig machten, wies auf die Gefahr fremder Einmischung undauf das Fortschreiten der Cholera hin, und als der König geltendmachte, daß Sachsen hauptsächlich zum Kriege gehetzt habe und daßes nicht recht sei, wenn der Hauptschuldige straflos ausgehe, erhobsich Bismarck zn der Mahnung:sie hätten nicht eines Richter-amts zn walten, sondern Politik zn treiben; Österreichs Rivalitäts-kampf gegen Preußen sei nicht strafbarer als der Preußens gegenÖsterreich ; des Königs und seiner Räte Aufgabe sei Herstellungoder Anbahnung dentsch-nationaler Einheit unter Leitung desKönigs von Preußen ."

Der König, der auch körperlich leidend war, wurde über den