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Volk aus der Schar der Helden heraus mit den: alten Kaiser zu-sammen als die Führer zu fassen und zusammen zu denken sichschon entschieden hatte. Wollte man aber sagen, wem von denDreien der erste Preis gebühre, so mochte in diesen Tagen, dadie Erinnerung der Schlachten alles überwog, die Wahl schwankenzwischen Moltke und Bismarck, aber bald überragte des EisernenKanzlers Hünengestalt auch diesen Genossen wieder. BismarcksName wurde der eigentliche Träger des Ruhmes und der Machtdes Reiches. In den fernsten Landen, bei barbarischen Völkernraunte man sich den Namen ins Ohr; wie ein Zauberer erschiener da wohl, eine übermenschliche Erscheinung, und man schonte denDeutscheu, weil mau zitterte, daß der Gewaltige seine rächendeHand erheben werde, auch über die Meere uud Wüsten hinweg.
Bismarck hatte den Frieden geschlossen und durch deu Friedenin Sicherheit gebracht, was das Schwert gewonnen hatte, und erhatte jetzt die Leitung der schweren Arbeit, die Gesetze und Einrich-tungen für das neue Reich zu schaffen.
Eine besondere und den Tag überdauernde Bedeutung gewannnoch der Einzug der aus dem Felde heimkehrenden bayerischen Truppeu in München ani 16. Juli, namentlich dadurch, daß ihrOberfeldherr, der deutsche Kronprinz, sie geleitete uud sie durch dasSiegcsthor dem Könige Lndwig vorführte, dem reich begabten, un-endlich begeisterungsfähigen Herrn, dem es aber versagt war, sichder großen Zeit ungestört hinzugeben. Es narrten ihn die Geistereiner versunkenen Welt, er griff nach Idealen, die sich zu Schattenverflüchtigten, und so ging er an dem Becher des Lebens vorüber,aus dem er vielleicht hätte Gesnndnng trinken mögen. Eine Ahnungvon solchem Lose wird durch seine Seele gezogen sein, als er dieBegeisterung sah, mit der Soldaten uud Bürger auf die Helden-gestalt des deutscheu Kronprinzen schauteu, der die großen Stundender großen Zeit voll durchlebt hatte und nun heimkehrte mit einemRuhmesglanz, der die fabelhaften Helden weit überstrahlte, in derenAbenteuern sich Königs Ludwig träumend verlor. Es war einEhrentag des Kronprinzen uud ein Ehrentag, an dem er für dasdeutsche Reich wirkte, wie es vielleicht keinem anderen Manne be-schieden gewesen ist. Seine Persönlichkeit, die großen Züge seines