Aufsatz 
Bemerkungen zur Arbeit von Herrn Ch. H. Müntz über das Plateausche Problem
(Math. Annalen 94, S. 53-96)
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Plateausches Problem.

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1. Herr Müntz betrachtet eine einfache geschlossene Raumkurve Kund setzt voraus, daß dieselbe analytisch ist, eine einfache konvexexy- Projektion hat und keine vertikale Schmiegebene besitzt. Dann führter, in Verallgemeinerung eines S. Bernsteinschen Verfahrens, eine gewissefünfparametrige algebraische Flächenfamilie ein; wir wollen die Parametermit x, Â 1 , À 2 , Â s , und die entsprechende Fläche mit S(x, A 1} / 2 , /1 3 , /l 4 )bezeichnen. Die Flächenfamilie weist dann die Besonderheit auf, daß fürx = 0 die Fläche S(x, X s , / 4 ) in eine Vertikal ebene ausartet.

Für die Zwecke von Herrn Müntz ist nun der folgende Satz überden Parameter x" von entscheidender Bedeutung.

Satz über den Parameter x. Es werde die Gesamtheit derjenigenFl äche n S (x, X 1 , , À s , A 4 ), die mit der vorgelegten Raumkurve fünf ge-trennte Punkte gemein haben, ins Auge gefaßtund mit 2 bezeichnet.Dann bleibt für diese Flächen der absolute Betrag des Parameters x ober-halb einer positiven Schranke.

Der Deutlichkeit wegen möchte ich hier schildern, wie man diesenSatz auf gewisse geometrische Konvergenzsätze reduziert. Für x 0 artetdie Fläche S (x, Â 2 , À s , Â 4 ) nach Voraussetzung in eine Vertikalebeneaus; da die Kurve K eine konvexe xy- Projektion hat, so kann diese Ver-tikalebene keine fünf getrennten Punkte mit der Kurve gemein haben. Fürkeine Fläche von 2 kann also \x\ gleich Null sein; es wird aber darüberhinaus behauptet, daß | x | auch nicht beliebig klein werden kann. ZumBeweise wird im Gegensatz zur Behauptung angenommen, daß aus 2 eineFlächenfolge S 1 , $ 2 , ..., S n , ... ausgewählt werden kann, für welche \x\gegen Null geht 4 ). Die Fläche S n hat mit der Kurve K fünf getrenntePunte P{ n) , ..., P¿ n) gemein; ohne Beschränkung der Allgemeinheit kannman annehmen, daß jeder dieser fünf Punkte einer Grenzlage zustrebt.Seien P 1 , P 2 , ..., P 5 diese Grenzpunkte, Da beim Grenzübergange dieFlächenfolge S n , wegen x->-0, in eine gewisse Vertikalebene E* ausartet,so liegen diese Punkte augenscheinlich auf E*. Da nun die Vertikalebene E*mit der Kurve K, infolge der konvexen xy- Projektion dieser Kurve, nichtmehr als zwei getrennte Punkte gemein haben kann, so müssen entweder allefünf Punkte zusammenfallen, oder aber es muß zwei getrennte Punkte Aund B auf der Kurve K geben, so daß gewisse mit A, gewisse mit Bzusammenfallen.

Es gibt also gewiß einen Punkt auf der Kurve, wir wollen diesenPunkt mit P Q bezeichnen, so daß beim Grenzübergange von den fünfSchnittpunkten P[ n \ n) , ..., P$ l) wenigstens drei gegen P 0 konvergieren.Da aber, wegen X+0, die Flächen S n in eine durch den Punkt P 0

4 ) Vgl. hierzu Nr. 6, a) der vorliegenden Note.