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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
Entstehung
Seite
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Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch,

während der letzten zwei Jahrzehnte sind alsbald in Zeitungen undZeitschriften heftige Angriffe gerichtet worden, denen ich im Dezember-heft 1904 derMarinc-Rnndschau" mit den folgenden Ausführungenentgegengetreten bin:

Als ich es übernahm, für dieMarine-Rundfchau" einen Aufsatzüber die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges zn schreiben einen Aufsatz, der dem Orte seines Erscheinens entsprechend inerster Reihe dazu bestimmt war, einem borwiegend aus Seeoffizierenbestehenden Leserkreis ein Bild bon der finanziellen Vorbereitung undDurchführung eines modernen Krieges zu geben, war ich mir Wohlbewußt, daß meine Beurteilung der russischen Finanzen in Deutsch-land von mancher Seite lebhaften Widerspruch erfahren würde.Schon aus Interesse an der russischen Währungsreform hatte ich dierussische Finanzpolitik seit einem Jahrzehnt mit einiger Aufmerk-samkeit verfolgt, ohne mich davon überzeugen zu können, daß diescharfe und teilweise leidenschaftliche Kritik dieser Politik, wie sie inDeutschland wissenschaftlich und publizistisch das Feld beherrschte, iuihren Hauptpunkten berechtigt sei. Ich habe stets den leitenden Ge-danken der neueren russischen Finanzpolitik für unbedingt richtiggehalten: daß uur eine mit eiserner Strenge durchzuführende Kon-solidierung der Staatsfinanzen nnd die Schaffung einer gesichertenWährungsgrundlage dem russischen Reiche die Erhaltung und denAusbau seiner politischen Machtstellung und das Fortschreiten zuerhöhter wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Wohlfahrt ermög-lichen werde; aus diesem Gesichtspunkte heraus habe ich es verstanden,wenn die russischen Finanzminister zur Erreichung ihres Zieles derGegenwart große Lasten nnd Opfer auferlegten. Wer nnr dieseOpfer sieht oder wer das Ziel für eine Utopie hält, mag über dierussische Finanzpolitik der letzten zwei Jahrzehnte den Stab brechen.Für meinen Aufsatz tan? es jedoch uicht auf eine Diskussion über dieRichtigkeit des Prinzips an, sondern vielmehr auf die Tatfrage, inwelchem Umfange der russischen Finanzpolitik die Durchführung ihresProgramms gelungen ist, mit welcher finanziellen Rüstung Rußland in den Krieg eingetreten ist und wie sich diese Rüstung im bisherigenVerlaufe des Krieges bewährt hat.

Ich weiß, auch diefe reine Tatfrage steht nicht außerhalb jederAnzweiflung. Aber dieMarine-Ruudschan" war nicht der Ort, um