I. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 3.
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nicht zutreffend, als die Wertskala sämtliche überhaupt tauschbarenGüter umfaßt; solange das der Fall ist, haben sich das Geld und dieübrigen tauschbaren Objekte noch nicht differenziert; es fehlt noch daswesentliche Merkmal, daß einzelne Güter aus dem ganzen Kreise dertauschbaren Objekte vorzugsweise dazu verwendet werden, den Aus-tausch der andern zu vermitteln, daß sie eingetauscht werden nichtum ihrer selbst willen, sondern um gegen andere Dinge wieder aus-getauscht zu werden.
Das Geld mußte sich also aus den Eigentum darstellenden und inherkömmlichen Austauschverhältnissen stehenden Gütern erst entwickeln.Wir müssen uns diese Entwicklung so vorstellen, daß zuerst Güter,welche dem Gebrauch dienten, gelegentlich und nebenbei auch als Tausch-mittel verwendet wurden. In Betracht kamen dafür wohl überallanfänglich nur solche Dinge, die nicht dem unmittelbaren Ver-brauch dienen, sondern dem längeren Gebrauch. Der Wilde und Halb-wilde zeichnet sich aus durch mangelhafte Vorsorge für die Zukunft. Istihm das Glück günstig, hat er eine gute Kriegsbeute oder Jagdbeute ödereinen reichen Fischzug gemacht, dann lebt er in Saus und Braus, so-lange die erworbenen und erkämpften Vorräte reichen; dann leidet erwieder Mangel. Erlegtes Wild, Fische und Früchte werden so raschwie möglich verzehrt. Dagegen können sich Schmuckgegenstände jederArt, wie Ringe und Spangen aus Gold oder Bronze, Perlen und Muscheln,Waffen und kostbare Geräte, Sklaven und Sklavinnen, Viehherden usw.im Besitz des einzelnen in großen Massen ansammeln. Jedermannwird solche Dinge im gegebenen Falle gern eintauschen, zunächst inder Absicht, sie zu behalten und für sich zu gebrauchen; im Notfalljedoch, oder wenn ihn anderes mehr lockt, wird er sich entschließen,diese Dinge im Austausch gegen andere wieder fortzugeben. So tragendie indischen Frauen bis in unsere Zeit hinein ihren ganzen Geldbesitz'in Form von Silberschmuck am eigenen Leibe, d. h. das Silber dient ihnenals Schmuck, solange sie nicht genötigt sind, es als Geld zu verwenden.
Je mehr dann in der weiteren Entwicklung der Tausch den Zu-stand der Eigenproduktion durchsetzte und dadurch zu einer Ver-feinerung der Arbeitsteilung führte, desto mehr mußten die Schwierig-keiten, welche auch schon unter den einfachsten Verhältnissen demdirekten Austausch entgegenstehen, zur planmäßigen Benutzung gewisserGüter als Tauschmittel führen. Je mihi- sich der Kreis der tauschbarenGüter erweitert, desto seltener wird der Fall, daß sich zwei Leute be-gegnen, von denen jeder gerade die Ware überflüssig hat, welche derandere als Gegenwert für seine Ware verlangt. Die wachsendeSchwierigkeit des direkten Austauschs mußte dazu führen, daß mandas Ziel auf Umwegen zu erreichen suchte. Die Schwierigkeit warnur zu überwinden, wenn diejenigen, welche bestimmte Waren über-