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Erstes Buch, t Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
flüssig hatten, gegen diese zunächst solche Waren eintauschten, vondenen sie erwarten durften, für sie jederzeit die von ihnen wirklich be-nötigten Dinge erhalten zu können. Die früher nur gelegentlich zumAustausche verwendeten Güter wurden mehr und mehr planmäßig fürden Zweck des Austausches angesammelt.
Wenn wir diejenigen Dinge betrachten, welche nach historischenÜberlieferungen in den Anfangsstadien der Verkehrswirtschaft bei deneinzelnen Völkern als Geld fungiert haben, oder welche heute noch beihalbwilden Völkerschaften Gelddienste versehen, dann erhalten wir einebunte Auswahl der verschiedenartigsten Gegenstände. Die besonderenwirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Stämme und Völker, dasVorwiegen der Jagd, der Viehzucht, des Ackerbaus, der Reichtum anverschiedenen Metallen, die Berührung mit andern Völkern und Stämmenauf dem Wege des Handels üben ihren Einfluß auf die Verwendungbestimmter Güter zu Geldzwecken aus. Dazu kommen Satzungen derweltlichen und geistlichen Obrigkeit, durch welche die Leistung vonAbgaben und die Entrichtung von Vermögensbußen in bestimmtenGütern vorgeschrieben wird. Auch mystische und religiöse Vor-stellungen aller Art sind häufig mit im Spiel und erzeugen mitunterabsonderliche Bildungen auf dem Gebiet des primitiven Geldwesens. BeiJägervölkern kommen als Tauschmittel vor allem W'affen in Betracht,bei Hirtenvölkern das Vieh, bei Stämmen, die mit fremden KaufleutenHandel treiben, die ein- und auszutauschenden Waren. Unmittelbar demKonsum dienende Waren, wie Getreide, Reis, Tee, Kakaobohnen, Tabak,getrocknete Fische, Salz und ähnliches mehr, erfüllen aus den bereitsangedeuteten Gründen meist erst in vorgeschrittenen Stadien der wirt-schaftlichen Entwicklung die Funktionen von Tauschmitteln. Diese Pro-dukte selbst setzen schon einen regelrechten Wirtschaftsbetrieb voraus,und ihre Verwendung als Geld ist häufig in Fällen eingetreten, wo derGebrauch von Metallgeld bereits bekannt war, die metallischen Um-laufsmittel selbst aber fehlten und durch Produkte der erwähnten Artersetzt werden sollten, so z.B. noch am Ende des 18. Jahrhunderts inmanchen Gebieten der Vereinigten Staaten von Amerika .
Neben den genannten Gütern hat sich eine Gruppe von Warenallenthalben frühzeitig zum Tauschmittel herausgebildet: diejenigenGegenstände, welche als Schmuck Verwendung finden können, so kost-bare Steine, Schmuckgegenstände aus Bronze und Edelmetall; auch dieKaurimuscheln sind wahrscheinlich durch ihre Verwendung zu Schmuck-zwecken zu ihrer Funktion als Geld hindurchgegangen. Weitaus amwichtigsten von allen Stoffen, die zur Herstellung von Schmuckgegen-ständen dienten, sind für die Entwicklung des Geldes die EdelmetalleGold und Silber geworden; sie haben im Lauf der Zeit mehr und mehrdie übrigen Güter aus der Rolle als Tauschmittel verdrängt,