1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 4.
2t
Möglichkeit sorgt dafür, daß der Wert verschieden großer Edelmetall-stücke stets ihrem Gewichte entspricht, daß mithin die Teilung inkleine Stücke keinen Wertverlust mit sich bringt. Nur diese Eigen-schaft ermöglicht es, fast ohne Einschränkung beliebig große Wertedarzustellen, im Gegensatz zu Gütern, die ihrer Natur nach unteilbarsind, wie etwa ein Sklave, oder bei denen die Teilung eine großeWertverringerung involviert, wie bei Diamanten, bei denen es bishernur gelungen ist, aus einem großen mehrere kleine zu machen, nichtaber aus mehreren kleinen einen großen. Eine besondere Folge derFormbarkeit der Edelmetalle ist ihre Eignung zur Annahme einesGepräges, durch das von autoritativer Seite Feinheit und Gewicht dereinzelnen Stücke beglaubigt werden kann. Die große Wichtigkeitdieser Eigenschaft soll später erörtert werden.
Außerdem kommt in Betracht die relative Seltenheit und diedaraus resultierende Kostbarkeit der Edelmetalle. Ihr spezifischerWert ist ein hoher, da der vorhandene Bestand gegenüber der allge-meinen Begehrtheit beschränkt ist und durch die Neugewinnungnur in langsamem Tempo vermehrt werden kann. Andrerseits ist dochder vorhandene Bestand groß genug, um den Edelmetallen in aus-reichendem Umfange die Funktion als Geld zu ermöglichen. Infolgedes hohen Wertes in geringem Gewicht und Volumen stellen sich beiden Edelmetallen die Kosten der Aufbewahrung und des Transportsganz beträchtlich niedriger als bei den meisten anderen Waren, unddadurch wird sowohl ihre Annahme als auch ihre Verausgabung imTauschverkehr, sowohl ihre Erhaltung in ruhendem Zustande als auchihre Bewegung ganz außerordentlich erleichtert.
Als eine ganz besonders wichtige Qualität kommt schließlich nochhinzu die relative Wertbeständigkeit der Edelmetalle J ), die sich ihrer-seits aus einigen der bisher aufgezählten Eigenschaften ergibt.
Diese Wertbeständigkeit steht zunächst in einem doppelten Zu-sammenhange mit der substantiellen Widerstandsfähigkeit der Edel-metalle gegen chemische und physikalische Einwirkungen. Durch dieseWiderstandsfähigkeit sind einmal alle diejenigen Wertveränderungenausgeschlossen, die sich bei anderen Gütern aus der unvermeidlichenVeränderung der Substanz selbst ergeben. Zweitens sammeln sichinfolge der Dauerhaftigkeit der Edelmetalle die Ergebnisse der Edel-metallgewinnung zu Massen an, denen gegenüber die jährliche Neu-produktion selbst unter den günstigsten Verhältnissen nur einen kleinenBruchteil ausmacht. Je rascherem Verderben oder Verzehr ein Gut
1) Das Problem des Wertes und der „Wertbeständigkeit" soll an dieser Stellenicht von Grund aus erörtert werden • es sei vielmehr nur das in dem vorliegendenZusammenhange erforderliche angedeutet, während die eingehende Behandlung dem12. Kapitel des II. Buches vorbehalten bleibt.