24 Erstes Buch. L Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
selbst ergeben, daß die Edelmetalle, deren Verwendbarkeit und Auf-bewahr ungsmöglichkeit an keine berufliche Voraussetzung gebundenist. und deren natürliche Eigenschaften ihre Annahme im Austauschgegen andere Waren so sehr befördern, immer mehr zum allgemeinenund zum alleinigen Tauschmittel wurden.
§ 5. Die Erfindung der Münze.
Bei allen natürlichen Vorzügen, welche die Edelmetalle zumallgemeinen Tauschmittel geeignet machten, stand der Ausdehnung ihresGebrauchs zu Geldzwecken ein starkes Hindernis entgegen. Bei dergroßen Kostbarkeit des Silbers und namentlich des Goldes kam es inbesonders hohem Grade auf die genaue Feststellung des Gewichtes undder Beschaffenheit der Edelmetallstückchen an. Solange die meistenMitglieder eines Stammes Jäger waren, wußten sie den Wert vonWaffen und .Tagdgerät aller Art sachverständig zu prüfen; solange diemeisten Stammesgenossen Hirten waren, konnten sie ein Rind oder eineZiege mit kundigem Blick abschätzen. Niemals aber war ein nennens-werter Bruchteil eines Volkes sachverständig bei der Prüfung vonEdelmetallen. Schon das genaue Wiegen macht, auch nachdem dieGoldwage erfunden ist, große Schwierigkeiten. Noch viel schwierigeraber ist die Feststellung, ob und wieviel unedles Metall dem Golde oderSilber beigemischt ist. Das Aussehen der Metallstückchen wird selbstdurch relativ große Zusätze von Kupfer nur unmerklich verändert, undauch die große spezifische Schwere der Edelmetalle, namentlich desGoldes, ist kein ausreichender Schutz gegen die betrügerische Bei-mischung anderer Metalle von geringerem Werte. Es ist deshalb einauf besonderen Kenntnissen beruhendes Probierverfahren notwendig,um festzustellen, wie viel reines Edelmetall ein Barren enthält. DieNotwendigkeit des Wiegens und Probierens bei jedem einzelnen Tausch-akte mußte jedoch die Verwendung der Edelmetalle als Tauschmittelstark beeinträchtigen.
Diese Schwierigkeit führte dazu, die für den Tauschverkehr be-stimmten Edelmetalle in eine bestimmte Form zu bringen, in Ringeund Barren von bestimmter Feinheit und bestimmtem Gewichte. InBabylonien 1 ), wo die Edelmetalle (Gold, Silber und daneben die Elektronoder Weißgold genannte natürlich vorkommende Mischung beiderMetalle) zuerst die Alleinherrschaft als Geld gewonnen zu habenscheinen, wurde nach bestimmten Gewichtseinheiten Edelmetalls ge-rechnet. Das Gewichtssystem beruhte auf sexagesimaler Teilung:1 Talent =» 60 Minen zu 60 Schekel, ein System, das sich mit gewissen
1) Vgl. Brandis, Münz-, Maß- und Gewichtssystem in Vorderasien. 1866;Hui.tsch, Griechische und römische Metrologie. 1882; Eduard Meyer, Orientalischesund griechisches Münzwesen, im Handwörterbuch der Staatswissenschaften.