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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 4.

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deren Objekten in gleichem oder gar in höherem Maße gegeben sind, sofindet sich doch eine derartig glückliche und vollkommene Vereinigungnur bei den Edelmetallen. Wenn z. B. den Diamanten die Kostbar-keit in höherem Maße eigen ist, so besitzen sie dafür die Unzerstör-barkeit nur in geringerem Grade, und die Formbarkeit geht ihnenvöllig ab. Durch die Vereinigung der aufgezählten Eigenschaften sinddie Edelmetalle in der Eignung zur Verrichtung von Geldfunktionenallen anderen Gütern überlegen, und sie haben infolgedessen dieanderen Geldarten, von denen namentlich das Viehgeld fast überalleine große Rolle gespielt hat, allmählich verdrängt; freilich nicht inder Weise, daß die klare Erkenntnis ihrer Vorzüge irgendwo undirgendwann zu einem ausgesprochenen Beschlüsse, sie allein als Tausch-mittel zu benutzen, geführt hätte; vielmehr hat sich die ihnen inne-wohnende Eignung zu diesem Zwecke ganz von selbst Geltung ver-schafft. Indem jeder einzelne tat, was ihm für seine persönlichenInteressen zweckmäßig erschien, kam die Gesamtheit immer mehr zurausschließlichen Benutzung der Edelmetalle zur Tauschvermittlung.

Das Unbewußte dieser Entwicklung tritt am meisten hervor, wennman erwägt, daß neben den positiven Vorzügen der Edelmetalle vorallen anderen Tauschmitteln auch ein negatives Moment die Entwicklungbestimmen mußte. Durch den gesamten Fortschritt der Volkswirtschaft,beruhend auf der immer weitergehenden Arbeitsteilung, mußten diewichtigsten der anfänglich neben den Edelmetallen als Tauschmittelfungierenden Güter ganz von selbst ausgeschaltet werden. Wirbrauchen nur an die neben den Edelmetallen wichtigste Kategorie derTauschmittel, an das Viehgeld, zu denken. Es ist ohne weiteres klar,daß das Vieh nur bei Nomaden und Hirtenvölkern die Dienste alsallgemeines Tauschmittel versehen kann. Nur wo die Bedingungenfür die Viehhaltung für jedermann so gut wie unbegrenzt gegebensind, kann das Vieh in großem Umfange den Dienst als Tauschmittelversehen. Schon mit der Einführung und Ausdehnung des Ackerbaueswerden jedoch die Bedingungen für die Viehhaltung beschränkt; siewerden es immer mehr, je mehr sich die einzelnen Berufe von einanderscheiden, und je mehr sich einzelne Berufszweige von dem unmittel-baren Zusammenhange mit dem Grund und Boden loslösen. Gerade fürdiejenigen Berufe, welche späterhin die Geldwirtschaft am meistenausgebildet haben, für die städtischen Gewerbe, fehlen die Voraus-setzungen für ein Viehgeld vollständig. Wie kann ein Handwerker,der keinen Grundbesitz und kein Weiderecht hat, Ochsen und Kühe'im Austausch gegen seine Erzeugnisse annehmen!

So mußten allmählich alle diejenigen Güter, deren Gebrauchswertund deren Aufbewahrung von beruflichen Voraussetzungen abhängigsind, als Tauschmittel in Wegfall kommen, und es mußte sich ganz von