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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
28
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28 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

einem einheitlichen Typus gegossen sind, Verschiedenheiten in der Fein-heit und namentlich im Gewichte, die bei der Kostbarkeit des Metallsbeachtet werden müssen. Bei den Münzen dagegen ist die Stempelungeine durchaus generelle, das einzelne Münzstück ist nicht, wie dereinzelne Barren, ein besonderes Individuum für sich, sondern einEinzelstück einer ganzen Gattung. Ein gestempeltes Edelmetallstück-chen kann nur dann als Münze bezeichnet werden, wenn es als einzelnesExemplar eines ganzen Kreises gleichartiger Stücke, die sich infolgeihrer Gleichwertigkeit gegenseitig vertreten können (Fungibilität), her-gestellt worden ist i).

Deshalb ist bei den Münzen innerhalb der einzelnen Sorten nichtnur genaue Übereinstimmung im Feingehalte, sondern auch genaueÜbereinstimmung im Gewichte nötig. Um eine betrügerische Verkürzungam Gewichte zu verhindern, überzieht bei der Münze, im Gegensatzzum gestempelten Barren, die Stempelung die ganze Oberfläche, soweites technisch möglich ist; die Stempelung heißt dannGepräge".

Die Gleichartigkeit der einzelnen Münzstücke innerhalb derselbenSorte ist ein Merkmal, das bei den Bestimmungen des BegriffesMünze"mitunter übersehen wird., und doch ist gerade dieses Merkmal vonganz hervorragender Wichtigkeit für die gesamte Entwicklung desGeldwesens und für die Bedeutung des Geldes in der VolkswirtschaftDie nach einem einheitlichen Typus geprägte Münze hat Wirkungenhervorgerufen, welche eine individuelle Stempelung von Edelmetall-barren niemals hätten zeitigen können, und die weit über die zunächstin die Augen fallende Ersparung des Wägens und Probierens bei jedemeinzelnen Tausche oder Kaufe hinausgingen. Mehr noch als die autori-tative Beglaubigung nach Feinheit und Gewicht hat die Ausprägungnach einheitlichen Typen die Verwendbarkeit der Edelmetalle als Geldgesteigert, und sie hat den Ausgangspunkt abgegeben dafür, daß sichdas Geld vom Edelmetalle als eine selbständige Kategorie loslöste. Dassoll in den folgenden Paragraphen näher ausgeführt werden.

§ 6. Die Steigerung' der Verwendbarkeit der Edelmetalle zu Geldzwecken

durch die Münzprägung.

Die Beglaubigung von Edelmetallbarren nach Feinheit und Gewichtdurch eine bestimmte Prägung oder Stempelung beseitigte ein sehrwesentliches Hindernis, das der Verwendung der Edelmetalle zu Geld-zwecken entgegenstand. Aber eine solche Beglaubigung an sich allein

1) Knapp (Staatliche Theorie des Geldes. 1905) stellt das gemünzte Geld alsmorphisehes Zahlungsmittel" (geformte, bewegliche Sachen, welche Zeichen tragen")dem ungemünzten Edelmetall als -araorphischem Zahlungsmittel" gegenüber. Die Ver-fassung der Zahlungsmittel, in der mit ungemünztem Metalle gezahlt wird, nennt erAutometallismiis", die Verfassung, in der mit geformten, Zeichen tragenden Stückengezahlt wird, nennt erMorphismus ".