1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 6.
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vermochte die Edelmetalle noch nicht allgemein zu Geldzwecken brauch-bar zu machen. Mit Edelmetallbarren, von denen jeder einzelne nachFeinheit und Gewicht ein Individuum für sich ist, kann der Groß-handel auskommen; im großen internationalen Zahlungsverkehr habendie Barren ihre Bedeutung als Geld bis zum heutigen Tage bewahrt ;für den kleineren Verkehr dagegen eignen sich die Barren, auch wennsie nach Gewicht und Feinheit beglaubigt sind, nicht als Tauschmittel.Auf den frühen Stufen der Kulturentwicklung verstehen die weitestenKreise der Bevölkerung wohl das Zählen, aber nicht das Rechnen.Das Rechnen mit so komplizierten Zahlen, wie es die Feinheitsbezeich-nungen von Edelmetallbarren sind, bei denen es noch auf die fünfteund sechste Dezimalstelle ankommt, bleibt stets eine Unbequemlichkeit,die zwar in den Kontoren des Großhandels, wo es sich um die Über-tragung großer Werte handelt, leicht überwunden wird, die aber imGeben und Empfangen des täglichen Verkehrs nicht bewältigt werdenkann. Das verwickelte Rechnen wird nun dadurch auf ein einfachesZählen reduziert, daß mehrere Münzsorten, von denen die größerenein Vielfaches der kleineren darstellen, geschaffen werden, und daßinnerhalb der verschiedenen Münzsorten die einzelnen Stücke in Fein-heit, Gewicht und Gepräge vollständig gleichartig hergestellt werdenDadurch wird es möglich gemacht, beliebige Wertsummen durch bloßesZuzählen gleichartiger Münzstücke zu übertragen.
Erst durch diese Reduktion des Rechnens auf das Zählen erhieltdas Edelmetall in der Form von Münzen jene ganz allgemeine Ver-wendbarkeit als Tauschmittel, die für die Entwicklung des Geldwesens,ja für die Entwicklung der gesamten Wirtschaftsverfassung geradezuausschlaggebend geworden ist. Alle Vorzüge, mit denen die Edel-metalle von Natur für die Verrichtung von Geldfunktionen ausgestattetsind, konnten jetzt erst in volle Wirksamkeit treten, auch in denjenigenSchichten des Verkehrs, die des Wiegens, Probierens und des Rechnensmit komplizierten Zahlen unkundig sind. In der Form von Münzenwurden die Edelmetalle auch dort im Austausche gegen andere Warenangenommen, wo man sie ungeprägt aus Mißtrauen über ihre wirk-liche Beschaffenheit zurückgewiesen hätte. Zu allen ihren natürlichenVorzügen verschaffte ihnen die Münzform die Leichtigkeit und Ein-fachheit der Übertragung, die für die Entwicklung des in der fortge-setzten Übertragung seine eigentliche Bestimmung findenden Geldeseine unerläßliche Voraussetzung war. Deshalb ist es den Edelmetallenerst in gemünzter Form gelungen, ganz allgemein alle übrigen Tausch-mittel zu verdrängen. Während diese allmählich immer mehr wieder aufilrre Stellung als bloße Gebrauchs- oder Verbrauchsgüter zurückgeführtwurden, erfuhr die Gangbarkeit des gemünzten Geldes aus sich selbst,heraus eine fortgesetzte Steigerung: je leichter das gemünzte Metall