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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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30 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte de? Geldes.

im Austausch gegen andere Güter anzubringen war, desto stärker wurdeder Begehr nach ihm. So entwickelte sich in der Münze ein Objekt)vermittelst dessen man alle anderen tauschbaren Güter erhalten konnte,und welches deshalb jedermann für die von ihm selbst nicht benötigtenoder benutzten Güter zu erhalten strebte.

§ 7. Die Verkörperung der Geldfunktion in der Münze.

Je mehr sich die Verwendung zu Geldzwecken auf eine einzelneKategorie von Gegenständen konzentrierte, desto stärker mußte an sichschon der Gegensatz zwischen Geld und den übrigen Verkehrsobjektenhervortreten und empfunden werden. Solange alle tauschbaren Gütergleichzeitig Tauschgut und Tauschmittel darstellen, sind nur die Anfängeeiner Differenzierung der Tauschmittelfunktion von den übrigen Funk-tionen und Brauchbarkeiten der Güter zu beobachten. Erst wenn dieFunktion der Tauschmittel von einer einheitlichen, bestimmt abge-grenzten Gruppe von Gütern ausschließlich ausgeübt wird, ist der Anlaßzu einer deutlichen Unterscheidung von Tauschmitteln und anderenGütern gegeben. Aber auch hier ist das allgemeine Tauschmittel nochnicht ausschließlich Tauschmittel, sondern es vereinigt in sich die Eigen-schaft als Tauschmittel und als Gebrauchsgut (so etwa bei einem Kinder-geld und bei ungeprägtem Edelmetallgeld). Es gibt noch kein Tausch-mittel als solches, sondern immer erst noch eine, allerdings auf eineeinzelne Gütergruppe beschränkte Tauschmittelfunktion.

Erst in der Münze hat diese Funktion Gestalt gewonnen. In derMünze wurde zum erstenmal das Tauschmittel äußerlich unterschiedenund herausgehoben aus allen zum Verbrauch oder Gebrauch bestimmtenGütern. Solange die Metallbarren ebenso den Rohstoff für Schmuck-gegenstände darstellten, solange Goldspiralen und Ringe ebenso Schmuck-gegenstände waren, wie sie auch zum Austausch gegen andere Güterverwendet wurden, solange war der Unterschied zwischen Gebrauchs-gut und Tauschmittel nicht in der Augenfälligkeit gegeben, mit welcherer jetzt in Erscheinung trat, wo der Unterschied in der Münze seinenkörperlichen Ausdruck fand. Freilich wurde das gemünzte Metalldurch die Prägung nicht dauernd und unwiderruflich aus dem Kreiseder übrigen Güter ausgeschieden; die Münzen können ja durch Ein-schmelzung jederzeit wieder in Rohmetall und durch Verarbeitung inSchmuckgegenstände verwandelt werden. Aber solange sie Münzen sind,stellen sie doch in konkreter Weise die Geldfunktion dar, welche bis-her von den Gebrauchsgütern nur nebenbei verrichtet worden war.Damit ist die Grundlage gegeben für eine das Geld von allen übrigenGütern scharf unterscheidende Anschauungsweise und für die Heraus-bildung eines besonderen Geldbegriffs, der Geld und Ware, die ur-sprünglich als verschiedene Funktionen in demselben Objekt friedlich