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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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40 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

Wir wissen, daß in den ersten Stadien der Entstehung des Geldeseine Vielheit von verschiedenartigen Tauschgutern nebeneinander be-stand, die durch herkömmliche Wertverhältnisse miteinander in Be-ziehung gesetzt waren, und von denen einzelne im Laufe der Zeitmehr und mehr ausschließlich die Funktionen als Tauschmittel über-nahmen. Von einem eigentlichenGeldsystem" kann in diesem frühenZustande, in dem überhaupt noch keine prinzipielle Scheidung vonGeld und Ware erfolgt war, nicht die Eede sein. Außerdem fehlte,wie oben auseinandergesetzt wurde, diesen Kombinationen von Tausch-mitteln sowohl die Geschlossenheit nach außen hin, als auch die innereEinheit. Jeder Fortschritt des wirtschaftlichen Denkens mußte diefreie und veränderliche Bewertung der einzelnen Güter gegenüber derMacht des Herkommens begünstigen und dadurch die an sich schonlose Verbindung der einzelnen Tauschmittel, die in dem traditionellenWertverhältnis bestand, immer mehr lockern.

Dadurch daß die Edelmetalle mit der Zeit sich zum alleinigenTauschmittel herausarbeiteten, war eine gewisse auf die Einheitlichkeitdes Geldes gerichtete Tendenz gegeben, zumal da die Schwankungenim gegenseitigen Wertverhältnis von Silber, Gold und Kupfer auchwährend längerer Perioden offenbar nur ganz geringfügig waren. ;

Aber diese auf die Entstehung eines einheitlichen Geldes gerichteteEntwicklungstendenz erfuhr eine Unterbrechung gerade durch die Er-findung der Münze, durch die nach der anderen Seite hin die Brauch-barkeit der Edelmetalle als Tauschmittel so sehr gesteigert wurde.Nunmehr entstand nämlich aus dem einzelnen Metall eine Vielheit vonMünzsorten, und aus denselben Gründen, aus welchen die Münze ansich gegenüber dem Metalle unabhängig wurde, bildete sich auch einegewisse Selbständigkeit der einzelnen Münzsorten in ihrem gegenseitigenVerhältnisse heraus.

Die Bedürfnisse des Verkehrs mußten von Anfang an zu einerVielheit von Münzsorten hinführen. Das war ja gerade einer derwesentlichsten Vorzüge der Edelmetalle, daß sie infolge ihrer unbe-schränkten Teilbarkeit und Formbarkeit die Darstellung der ver-schiedensten Wertgrößen gestatteten. Es ist deshalb ganz natürlich,daß man nicht nur die eigentliche Münzeinheit selbst, sondern auchBruchteile und Vielfache derselben ausmünzte. Aber bei dieser ein-fachen Stückelung eines und desselben Münztypus hatte es nicht sein. Bewenden; es kam vielmehr eine Verschiedenheit der Grundtypen selbsthinzu. Das Prägemonopol des Staates für sein Gebiet, das in einerAusschließung fremder Münzen seine notwendige Ergänzung hat, isterst im Laufe der Zeit zu seiner vollen Ausbildung gelangt, und des-halb war der Münzumlauf vielfach ein gemeinschaftlicher, auch dann,wenn die einzelnen Städte öder Staaten verschiedene Typen aus-