2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 1.
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münzten. Auch innerhalb eines und desselben Staates wurde sehrhäufig nach verschiedenen Typen geprägt. Es kam vor, daß einzelneMünzsorten zuerst von auswärts eindrangen, sich große Beliebtheit er-rangen, und daß dann schließlich der Staat selbst, ohne die Prägungseiner alten Münzen aufzugeben oder mindestens ohne die umlaufendenalten Münzen gänzlich zu beseitigen, den neuen Münztypus adoptierte.Je größer, die Zersplitterung des Prägerechts und je geringer die Ge-schlossenheit des Münzumlaufs nach außen hin, desto größer dieMannigfaltigkeit der Münzsorten.
Gleich bei der ersten Einführung der Münze beobachten wireine solche Mannigfaltigkeit. In Lydien selbst, dem Ursprungslandeder Münze, scheinen von Anfang an Goldmünzen nach zwei ver-schiedenen Typen, beruhend auf der Verschiedenheit des babylonischenund des von diesem abgeleiteten phönizischen Edelmetallgewichts-systems, geprägt worden zu sein: >Statere von etwa 14,2 g Gewicht(phünizischer Fuß) und Statere von nur 10,8 g Gewicht (babylonischerSilber-] Fuß), beide mit Teilstücken. Auch in den griechischen Stadt-staaten Kleinasiens prägte man nach verschiedenen Gewichtssystemen,teilweise nach dem phönizisch-lydischen Fuß, teilweise nach demschweren babylonischen Goldgewichte (der Stater etwa 10,5 g); letztererTypus wurde namentlich in Phokäa geprägt zu der Zeit, als dieseStadt auf dem Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen Bedeutung stand.Daß hinsichtlich des Münzfußes der Silbermünzen in den griechischenStadtstaaten Kleinasiens eine sehr viel weitergehende Verschiedenheitherrschte, als hinsichtlich der Goldausmünzungen, wurde bereits erwähnt.
Zu der Verschiedenheit der Münztypen, soweit sie sich im Eauh-gewicht der Münzstücke äußerte, kam noch die Verschiedenheit derZusammensetzung des Elektron nach Gold und Silber hinzu. Es istbereits darauf hingewiesen worden, wie sehr sich diese Mischung all-mählich verschlechtert hatte. Das Ergebnis einer mit einem pho-käischen Stater vorgenommenen Schmelzprobe, das Mommsen in seinerGeschichte des römischen Münzwesens mitteilt, war eine Mischungvon nur 412 Tausendteilen Gold, 539 Tausendteilen Silber und 49Tausendteilen Kupfer.
Schon der Lyderkönig Knöscs sah sich etwa ein Jahrhundertnach der Erfindung der Münze, infolge der zahlreichen Spielarten derin seinem Königreiche umlaufenden- Münzen und infolge der Ver-schlechterung des Elektron, zu einer durchgreifenden Münzreform ge-nötigt. Um das Münzwesen seines Staates auf eine einfachere und zu-verlässigere Basis zu stellen, schaffte er die Elektronprägung ab undführte Münzen aus reinem Gold und Silber ein; aber auch die neuenMünzen wurden nicht nach einem einheitlichen, sondern abermals nachzwei verschiedenen Typen geprägt.