46 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
den Münztypen in verschiedenem Maße trafen, so mußte daraus eineebensolche Trennung zwischen den einzelnen Münzsorten hervorgehen.
Die Ursachen der Feingehaltsveränderungen der Münzsorten warennun im wesentlichen folgende:
Die Mangelhaftigkeit der Prägetechnik bewirkte Ungleichmäßig-keiten des Feingehaltes schon innerhalb einer und derselben Sorte.In solchen Fällen lohnte es sich stets, die zu schwer geratenen Stückeauszusuchen, während die zu leicht geratenen im Umlauf blieben. Dereffektive Metallgehalt der umlaufenden Stücke entfernte sich damitvon dem ursprünglichen und normalen Gehalte, und zwar bei den ein-zelnen Sorten in verschiedenem Maße, je nach der Sorgfalt der be-treffenden Münzstätte und je nach der technischen Möglichkeit dergleichmäßigen Ausprägung (bei kleinen Stücken sind aus natürlichenGründen die Abweichungen vom normalen Gehalt relativ größer alsbei großen Stücken).
Zu dieser unabsichtlichen Verschlechterung des Umlaufs kamendie absichtlichen Verringerungen an Feingehalt und Gewicht bei derAusprägung. Diese Münzverschlechterungen waren bei denselben Münz-typen, z. B. beim Dukaten, territorial außerordentlich verschieden;außerdem wurden innerhalb eines und desselben Territoriums die ein-zelnen Münztypen in sehr verschiedenem Maße von der Münz Verschlech-terung betroffen. In Deutschland z. B. hatten die Münzherren für diePrägung des kleinen Geldes in viel höherem Grade freie Hand, alsfür die Prägung der großen Silbermünzen und der Goldstücke. Infolge-dessen waren die Verschlechterungen des kleinen Geldes weitaus stärker,als die der großen Münzen.
Schließlich kommt in Betracht die Abnutzung der Münzen imUmlauf und die betrügerische Verkürzung ihres Feingehaltes durchBeschneiden, Befeilen und ähnliche Praktiken, die durch die primitiveMünztechnik, namentlich durch das Fehlen der Eandprägung, sehr er-leichtert wurden. Auch diese Momente, wirkten auf die einzelnen Sortenin verschiedener S*tärke ein. Je nach Größe und Dicke unterliegendie Münzen der Abnutzung in verschiedenem Grade; dünne Münzen sindleichter zu beschneiden als dicke, schlecht geprägte können unmerk-licher in ihrem Feingehalte verkürzt werden als gut geprägte.
Alle diese Umstände im Verein wirkten dahin, daß das Verhältnisdes tatsächlichen Metallgehaltes der einzelnen Münzsorten fortgesetztenSchwankungen unterlag. Andrerseits ist es der Staatsgewalt in jenerZeit noch nicht in vollem Umfange gelungen, den Münzen eine vonihrem Metallgehalte unabhängige Geltung beizulegen. Maßgebend fürdie Bewertung, welche die einzelnen Geldsorten im Verkehr fanden,war vielmehr im großen Ganzen das Quantum von Edelmetall, dassie tatsächlich enthielten; neben diesem materiellen Momente kam außer-