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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysterae. § 2.

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wurde durch die Reichsmünzordnung- von 1559 ausdrücklich unterVerbot gestellt, durch den Reichstagsabschied von Augsburg von 1 Stiftwieder zugelassen, und dieser Taler, der ,:Reichs>>peziestaler", vonV'o Mark Feingehalt wurde für lange Zeit die Grundlage des deutschenSilbergeldes.

Wir haben also in jener Zeit eine große Mannigfaltigkeit vonMünzsorten, die nicht als Ganz- und Teilstücke zusammengehörten,von denen vielmehr jede mit ihren Ganz- und Teilstücken einen eignenTypus darstellte, und von denen jede ihre eigne, noch dazu nachStaaten und Territorien verschiedene Geschichte hatte. Noch vielgrößer war die Mannigfaltigkeit der Münzsorten und die Verschieden-heit je nach dem Orte und der Zeit der Prägung bei dem kleinen Gelde,das sich in einem fortgesetzten Flusse von Veränderungen befand undmit dem großen Geld nur einen ganz lockeren Zusammenhang hatte.

Schon auf den ersten Blick ergibt sich, daß dieses bunte Gewirrsich nicht mit unseren modernen, auf einem einzigen Münztypus undeiner einzigen Rechnungseinheit aufgebauten und nach dem Dezimal-system oder einer andern rationellen Anordnung gegliederten Münz-systemen ' vergleichen läßt. Damit entsteht die Frage nach der Artund Weise des Nebeneinander und nach dem gegenseitigen Verhaltender einzelnen Münzsorten.

§ 2. Das Sorteng-eld. ij

Es wurde bereits angedeutet, daß die einzelnen Münzsorten in denJahrhunderten, mit denen wir uns hier beschäftigen, ihr eignes Schicksalhatten, und daß die Ursachen für diese gegenseitige Unabhängigkeitder Münzsorten prinzipiell dieselben sind, auf welche die Unabhängig-keit der Münze überhaupt gegenüber dem Münzmetalle zurückzuführenist. Die Kontrakte lauteten nicht auf Edelmetall schlechthin, sondernauf gemünztes Geld, und sobald verschiedene Münztypen aufkamen,konnten und mußten sie auf die eine oder andere Münzsorte lauten.Die Veränderungen des Metallgehaltes der Münzen haben bewirkt, daßdie gleiche Geldsumme in schwankenden Quantitäten Edelmetall sichdarstellte; sie haben auf diese Weise das feste Verhältnis zwischengewichtsmäßig normierten Edelmetallmengen und nach MünzeinheitenbestimmtenGeldsummen aufgehoben. Wenn nun diese Veränderungen destatsächlichen Metallgehaltes die verschiedenen neben einander umlaufen-

1.1 Vgl. zu diesem Paragraphen die Abhandlung überDie geschichtlicheEntwicklung der Münzsysteme" in meinen Studien über Geld- und Bankwesen, erstmalsgedruckt in Conrads Jahrbüchern. 3. Folge. Bd. IX; cbendort die Ausführungen vonLexis überParalielwiihrung und Sortengeld"; ferner Schmoller, Über die Aus-bildung einer richtigen Scheidemünzpolitik vom 14.19. Jahrhundert, in Schmolli rsJahrbuch XXIV, 4; außerdem Lexis, Art.ParallelWährung" im Handwörterbuchder Staatswissenschaften.