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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
58
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58 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

leichter zu transportieren und zu verbergen ist als das Silber, stetsgegenüber dem weißen Metalle bevorzugt wurde. Die Meinungen überdie zahlenmäßige Gestaltung der Wertrelation in jener Zeit gehen aus-einander, da die Bedeutung gewisser kaiserlicher Verordnungen derJahre 397 und 422 nach Christi Geburt , welche auf eiu Wertverhältnisvon 1:14,4 und gar von 1:18 schließen lassen würden, nicht ganzklargestellt ist.

Während des Mittelalters hat sich die Weltrelation der beidenMetalle im großen Ganzen zwischen 1:10 und 1 : 12 gehalten. Füreinzelne Fälle freilich sind beträchtliche Abweichungen nach obenund unten über diesen Spielraum hinaus nachgewiesen, etwa von 1:8bis 1: 13,6. Der ersten deutschen Reichsmünzordnung von 1524 liegtein Wertverhältnis von 1:11,38 zAvischen Silber und Gold zugrunde.

Vom Anfang des 16. Jahrhunderts an ist ein langsames Steigendes Goldwertes zu beobachten. Soetbeer berechnet die ungefähreRelation zwischen Silber und Gold von 1501 bis 1520 auf 1 : 10,75,für 1601 bis 1620 auf 1 : 12,25. In den folgenden fünf bis sechs Jahr-zehnten erfuhr diese Entwicklung eine plötzliche und starke Be-schleunigung. Die Wertrelation von 1660 bis 1680 wird von Soetbeerauf 1:15 geschätzt. Für den Anfang des 18. Jahrhunderts haben wireine Relation von 1 :15 '/'.

Der Verlauf des 18. Jahrhunderts brachte zunächst einen relativenRückgang des Goldwertes bis auf eine Relation von i: 14,56 von1751 bis 1760, dann aber eine neue Steigerung bis auf etwa 1 : 15*/jum die Jahrhundertwende.

In den ersten sieben Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bewegtesich die Relation in verhältnismäßig engen Grenzen um 1: 15'/2. Derungünstigste Stand für das Silber war (nach den Londoner Siiber-preisen) 1 : 16,12 im Jahre 1848, der günstigste 1 :15,03 im Jahre 1859.

Vom Beginne der 70 er Jahre an trat eine heftige Entwertung desSilbers ein, die im Laufe von drei Jahrzehnten dem Silber mehr alsdie Hälfte seines Wertes dem Golde gegenüber entzog. Am Ende des19. Jahrhunderts galten erst 3435 Pfund Silber so viel wie einPfund Gold, und im Jahre 1909 war das Verhältnis etwa 40 PfundSilber = 1 Pfund Gold.

Es ist hier noch nicht der Platz zur Untersuchung der Ursachendieser Schwankungen; wir werden später finden, daß ihre Gründeeinmal in den Verhältnissen der Edelmetallproduktion liegen, dann inden Schwankungen der Nachfrage nach Gold und Silber, wie sie durchden Wechsel der Zeiten, durch die wirtschaftliche Entwicklung, welchedie Verwendung des einen Metalls mehr als die des anderen begünstigte,und schließlich durch Änderungen der Ordnung des Münzwesens.