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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
60
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(50 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

von Gold- und Silbermünzen einen Einfluß ausgeübt haben auf dieWertbewegungen von-Gold und Silber. Sicher ist, daß sie diese Wert-bewegungen nicht beherrscht haben, daß Schwankungen um das sichaus der Tarifierung von Gold- und Silbermünzen ergebende Wertver-hältnis der Edelmetalle stattgefunden haben; daß ferner der freieVerkehr die staatlichen Tarifierungen der Gold- und Sübermünzennur solange beobachtete, als sie dem tatsächlich bestehenden Wertver-hältnisse zwischen den rohen Metallen entsprachen, daß er seine Be-wertung der Gold- und Silbermünzen entsprechend den Schwankungenim Wertverhältnis der Metalle trotz der strengsten Vorschriften undVerbote änderte 1 ; daß schließlich der Staat sich immer und immer wiedergenötigt sah, seine Tarifierungen denjenigen des freien Verkehrs an-zupassen oder den Feingehalt der einen oder der andern Münzsorteentsprechend zu verändern.

Allerdings haben Veränderungen im Wertverhältnisse der Eohmetallenicht immer ihren vollen Einfluß auf das Wertverhältnis von Gold-und Silbermünzen ausgeübt; die Macht staatlicher Verordnungen hatsich vielmehr unter bestimmten Voraussetzungen stark genug erwiesen,um den vollen Einfluß der Veränderungen des Wertverhältnisseszwischen Gold und Silber auf die gegenseitige Bewertung der Gold-und Silbermürtzen einzudämmen; wo das jedoch der Fall war, trat einanderer Mißstand in Erscheinung.

Wenn sich der den Goldmünzen beigelegte Nennwert in Silber-münzen niedriger stellte, als dem jeweiligen Wertverhältnisse zwischenGold und Silber auf dem Edelmetallmarkte entsprach, so kamdas zunächst darin in Erscheinung, daß der Staat für das Gold, dasseinen Münzstätten zur Ausprägung gebracht wurde, einen geringerenPreis zahlte, als auf dem freien Markte für Gold zu erhalten war; dieFolge davon war, daß niemand dem Staate Gold zur Ausmünzungbrachte, sondern daß jedermann, der Goldbarren besaß, es vorzog, siezu dem höheren Preise auf dem offenen Markte zu verkaufen. So hatin Frankreich , wo die Münzanstalt seit dem Beginn des 19. Jahr-hunderts stets 3100 Frs., abzüglich einer geringen Prägegebühr, für dasKilogramm Münzgold (900 Tausendteile Feingold und 100 TausendteileKupfer) zahlte, niemand Gold zur Münze gebracht, wenn er aufder Pariser Metallbörse dafür etwa 3150 Frs., also 50 Frs. mehr,erhalten konnte. Das im Verhältnis zum freien Verkehr in der staat-lichen Tarifierung zu ungünstig bewertete Metall bleibt also denMünzstätten fern, da sein Preis als Ware höher steht, als dem ihm staatlichbeigelegten Ausmünzungswerte entspricht. Es werden mithin in derHauptsache, wenn der Staat nicht selbst das von ihm zu niedrig be-wertete Metall zu einem höheren als dem Ausmünzungswerte ent-sprechenden Preise kaufen und dadurch bei der Prägung Verluste er-