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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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64 Erstes Buch. L Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

festen Tarifierung die Knappheit an Silbergeld wieder starkfühlbar gemacht hatten; so dringend war das Bedürfnis nach einemfesten Verhältnis zwischen Gold- und Silbergeld.

Das Gesetz von 1717, welches der Guinea gesetzliche Zahlungs-kraft (statt des bisherigen Maximalkassenkurses) zu 21 Schilling iuSilbergeld beilegte, und das Gesetz von 1718, welches jede künftigeÄnderung dieser Tarifierung ausschloß, bedeuteten die völlige Abkehrvon der Parallelwährung und die Rückkehr zum Doppelwährungs-systeme.

Bei dieser neuen Doppelwährung war wie bereits erwähntdas Gold höher tarinert als dem Wertverhältnisse auf dem Markte ent-sprach. Da das letztere in den folgenden Jahrzehnten eine weitereVerschiebung zu Ungunsten des Goldes erfuhr, stellte sich das Wert-verhältnis auf dem Markte bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts fürdas Silber beträchtlich günstiger, als die gesetzliche Relation, dieder gegenseitigen Bewertung der englischen Gold- und Silbermünzenzugrunde gelegt war. Die Folge war, daß wie früher in den-selben Fällen das Silber der englischen Münzstätte fernblieb, unddaß es vorteilhaft war, die durch die Umprägung von 16951698 aufihr volles gesetzliches Gewicht gebrachten Silbermünzen einzuschmelzenund als Barren zu verkaufen. Es zeigte sich bald, daß die ganzengewaltigen Kosten für die Umprägung der Silberraünzen umsonst auf-gewendet waren. Alles vollwertige Silbergeld verschwand, und imUmlaufe hielten sich nur Silbermünzen, die soweit abgenutzt waren,daß ihre Einschmelzung trotz des hohen Silberpreises nicht lohnte.Die große Masse der Umlaufsmittel bestand aus den goldenen Guineas,die für alle großen Zahlungen benutzt wurden, und die Klagen da-rüber, daß an dem abgenutzten Silbergeide nicht einmal genug fürden Bedarf des kleinen Zahlungsverkehrs vorhanden sei, wurden immerlauter. Auch die schlechte Beschaffenheit der umlaufenden Silber-münzen gab zu großen Beschwerden Anlaß. Aber diesen Mißständenwar auf dem Boden der bestehenden Geldverfassung nicht abzuhelfen,da jede Neuprägung und Neuausgabe vollwichtiger Silberstücke nurMaterial für die Schmelztiegel der Edelmetallhändler lieferte. Ver-geblich suchte man nach einem Auswege aus diesem Zustande, ver-geblich suchte man nach einem Mittel, um die Vorteile des überwiegen-den Goldumlaufs, die man wohl zu schätzen wußte, mit der Erhaltungeines ausreichenden und geordneten Silberumlaufs zu vereinigen.

§ 6. Die Entstehung der Goldwährung.

Die selbsttätige Entwicklung der Dinge leitete schließlich mitzwingender Gewalt auf den Weg, der aus diesem unhaltbaren Zu-stande herausführte.