72 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
Aber diese Trennung ist keine vollständige in Hinsicht auf dieWertbeziehungen zwischen dem gesamten Gelde einerseits und demGeldmetalle andrerseits. Die Trennung ist nur vorhanden bei einemTeile des Geldes, bei den Silbermtinzen und den kleineren Scheide-münzen aus unedlem Metall, während die Goldmünzen, welche dieGrundlage des Systems darstellen, in ihrem Werte mit dem Werteihres Goldgehaltes in Verbindung bleiben. Da der Wert der Geldein-heit bei dieser Währungsverfassung sich von den Goldmünzen ableitet,bleibt zwischen dem Gelde und dem Metalle Gold immer noch das engsteVerhältnis bestehen: Der Wert des Geldes schlechthin, einerlei aus welchemMetall die konkreten Münzen bestehen, ist verknüpft mit dem Werteeines bestimmten Stoffes, dem Werte des Goldes. Insofern ist mithinbei der Goldwährung das Band zwischen dem Gelde und der übrigenGüterwelt, soweit die Wertbeziehungen in Betracht kommen, noch nichtzerschnitten.
Im" Laufe der Eutwisklung der neueren Zeit sind jedoch W T ährungs-systeme entstanden, bei welchen jer'.e derartige Verbindung zwischendem Werte des Geldes und dem Werte eines anderen Wertgegenstandes*fehlt, Systeme, bei welchen der Wert des Geldes von der ganzenübrigen Güterwelt unabhängig ist und sich ganz nach eigenen Ge-setzen bewegt.
Bereits im Altertum und Mittelalter kamen Versuche vor, dasseinen Wert im Stoffe tragende Metallgeld zu ergänzen oder zu er-setzen durch ein seinem Stoffe nach wertloses Zeichengeld. Nachdemsich infolge der Erfindung der Münze das Geld begrifflich als eineselbständige Güterkategorie, deren Herstellung in der Hand des Staateslag, entwickelt hatte, führte dieselbe hohe Bewertung der staatlichenTätigkeit bei der Schaffung von Geld und dieselbe Geringschätzungdes stofflichen Wertes der Münzen, welche die Münz Verschlechterungenveranlaßt hatten, zu Versuchen, stofflich gänzlich wertlosen, aber miteinem bestimmten staatlichen Zeichen versehenen Stücken kraft staat-licher Autorität den Charakter als Geld beizulegen und ihnen in derEigenschaft als Geld eine bestimmte Geltung in dem vorher bestehendenGelde zu verleihen, woraus sich von selbst ein entsprechender Wertgegenüber den übrigen wirtschaftlichen Gütern ergeben sollte. In derneueren Zeit ist das Papier der Stoff geworden, aus welchem solchesGeld ausschließlich hergestellt wird.
Es waren namentlich die Geldbedürfnisse des Staates, die ebensowie zu Münzverschlechterungen auch zur Ausgabe von papiernen Geld-zeichen führten. Wie bei der Ausprägung geringerhaltiger Münzenwurde auch bei der Ausgabe solcher Geldzeichen erstrebt, sie auf derihnen beigelegten, in dem bisherigen Gelde ausgedrückten Geltungzu erhalten. Das wirksamste Mittel zu diesem Zwecke ist das Ver-