76 Erstes Buch. I. Abschnitt Die Entwicklungsgeschichte des .Geldes.
Wie England durch die napoleonischen Kriege, so sind die Ver-einigten Staaten von Amerika in der ersten Hälfte der 60 erJahre des 19. Jahrhunderts durch den Bürgerkrieg in die Papiergeld-wirtschaft geraten. Vom Jahre 1861 an wurde in steigenden MengenPagiergeld in Umlauf gesetzt, das anfangs einlösbar war, bald aber(durch Gesetz vom 25. Februar 1862) durch nicht Unlösbare Schatz-noten ersetzt wurde, die den Charakter als gesetzliches Zahlungsmittel(ausgenommen für die Zollzahlung und für die Zahlung der Zinsen derStaatsanleihen) erhielten. Der in dem Gesetz von 1862 auf 150 Mil-lionen Dollar fixierte Maximalbetrag für die Ausgabe dieses Papier-geldes wurde bei verschiedenen Gelegenheiten beträchtlich erhöht, zu-letzt durch ein Gesetz vom 30. Juli 1864 bis auf 450 Millionen Dollar.
Bereits im Jahre 1861 begann das Papiergeld sich gegenüber demursprünglichen Metallgelde zu entwerten. Es stellte sich ein Gold-agio ein, das mit der Vermehrung des Papiergeldumjaufs rapid stiegund im Juli 1864 mit 185 Prozent seinen Höhepunkt erreichte. Das ent-wertete Papiergeld erfüllte immer mehr die ganze Zirkulation undverdrängte selbst die kleinen Scheidemünzen aus dem Verkehr.
Nach der Beendigung des Bürgerkrieges wurden Maßregeln inAngriff genommen, welche den Umfang des Papierumlaufs allmählichvermindern und das Geldwesen wieder auf seinen ursprünglichen Zu-stand zurückführen sollten. Wenn auch die völlige Beseitigung desPapiergeldes an dem Widerstande mächtiger Interessengruppen scheiterte(es sind schließlich noch nahezu 350 Millionen Dollar Papiergeld imUmlauf geblieben), so gelang es doch, das Papiergeld einlösbar zumachen (von 1879 an) und die Einlösbarkeit fortan aufrecht zu er-halten. Von der Mitte des Jahres 1864 an ist eine weitere Entwertungdes Papiergeldes nicht mehr eingetreten, vielmehr zeigte das Goldagioeinen wesentlichen Rückgang; es betrug um die Mitte des Jahres 1865nicht mehr ganz 50 Prozent und ist in den folgenden Jahren bis zurAufnahme der Barzahlungen im Jahrel879 allmählich ganz verschwunden.
Auch hier ist also trotz einer anfänglich sehr heftigen Erschütte-rung des Geldwesens eine systematische Regulierung des Papierumlaufs,eine Verhinderung der gänzlichen Entwertung des Papiergeldes undschließlich sogar die Wiederherstellung der Einlösbarkeit und damitauch der Metallgeld-Parität des Papiergeldes gelungen.
Ähnliche Papiergeldperioden von kürzerer Dauer machte Frank-reich durch von IS IS bis 1850 infolge der Februarrevolution und von1870 bis 1877 infolge des Krieges mit Deutschland . In beiden Fällenwurde die Bank von Frankreich zur Einstellung der Noteneinlösungermächtigt. Die Abweichung der Noten von der metallischen Währungs-grundlage war nur gering; das Aufgeld der Goldmünzen betrug 1848 imMaximum 12 Prozent, 1871 nur 2,4 Prozent.