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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteine. § 7.

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in seiner Beseitigung zu einem geringen Bruchteil des ihm beige-legten Nennwertes ihr Ende findet. Sowohl der öffentliche Kredit alsauch die Macht des Staates über das -Geldwesen waren noch nicht hin-reichend entwickelt, um ein Papiergeld längere Zeit ohne eine all-zustarke Entwertung im Umlaufe zu erhalten, es schließlich wiederauf den Gleichwert mit dem ursprünglichen Metallgelde zu bringenund es zu diesem Werte wieder durch Metallgeld zu ersetzen.

Die Erscheinung, daß Länder während längerer Perioden in derPapiergeldwirtschaft bleiben und sich des Papiergeldes als eines leid-lichen Ersatzes für das Metallgeld bedienen, ja daß sie in gewisserWeise ihren Papiergeldumlauf systematisch regulieren, ist neuerenDatums.

Die erste moderne Papierwährung in diesem Sinne war vorhandenin England während der sog. Bestriktionsperiode von 1797 bis 1823,während der die Bank von England von der Einlösung ihrer Notenentbunden war und ihre Noten mit Zwangskurs ausgestattet waren.Anfänglich zeigte sich kein merklicher Wertunterschied zwischen denNoten und dem Metallgelde. Von 1801 an begann jedocli ein Aufgeldauf Metallgeld in Erscheinung zu treten, das im Jahre 1810 bis auf20 Prozent, 1813 und 1814 auf 3040 Prozent stieg. Die im Jahre 1811erlassenen Verbote, Goldmünzen zu einem höheren Nennwerte in Notenoder Noten zu einem niedrigeren Werte in Goldmünzen anzunehmen,blieben ohne Wirkung. Die Goldmünzen verschwanden gänzlich ausdem Verkehr, und die Entfernung des Wertes der englischen Rechnungs-einheit, des Pfundes Sterling, von seinem ursprünglichen Metalläqui-valente zeigte sich in den erhöhten Preisen der Goldbarren. Nach derWiederherstellung des Friedens ging das Goldagio rasch und erheblichzurück, d. h. der Wert des englischen Geldes näherte sich wieder seinemursprünglichen Metalläquivalente. Im Jahre 1819 wurde die Wieder-herstellung der Noteneinlösung für das Jahr 1823 angeordnet. Bereitsvom Jahre 1821 an war das Metallaufgeld verschwunden; der Wertdes Pfundes Sterling deckte sich wieder mit seinem Goldäquivalente,nachdem er sich von 1801 an in durchaus selbständigen Bewegungenunterhalb dieses Goldwertes gehalten hatte.

Hier hat also die Papiergeldwirtschaft nicht zu einer dauerndenund völligen Entwertung der papiernen Geldzeichen geführt, es istvielmehr durch Maßregeln der BankpoMtik und der staatlichen Finanz-politik gelungen, dem Papiergelde trotz des Fehlens der Einlösbarkeitund der Wertlosigkeit seines Stoffes stets noch einen Wert zu erhaltenund es schließlich wieder auf die volle Parität mit dem Metallgelde zubringen.

Ähnlich verlief die Entwicklung der Papierwährung in zahlreichenanderen modernen Staaten.