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Plagiat! Plagiat! : eine Rundschau / von Paul Englisch
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Aeschines, Anaxagoras, Anaximenes, Aristophanes ,Aristoteles, Demosthenes, Euripides, Gorgias , Hero-dot, Hesiod, Homer, Isokrates, Menandros, Plato ,Sophokles, Vergil um nur die bekanntestenNamen zu nennen nicht des Vorwurfs, Plagiatorzu sein.")

Man verstehe mich recht: Es soll hier keineLanze gebrochen werden für das große Heer derAbschriftsteiler, die, aus Mangel an eigenen Ge-danken, diese von ideenreicheren Vorbildern zwangs-weise sich ausleihen. Es geht jedoch zu weit, wennman die Uebernahme von Motiven, Urteilen, ein-zelnen Redewendungen und Ausdrücken bereits alsunerlaubt ansieht. Kriterium wird und muß stetssein, ob der Autor den Palast oder auch nur diebescheidene Hütte seines Gedankenaufbaus aus über-all geschickt zusammen getragenen Bausteinen er-richtet hat (was man zweifellos als unzulässigesPlagiat bezeichnen muß), oder aber, ob er nur ein-zelne behauene Blöcke zum Aufputz seines auch ohnesie bestehenden Bauwerks, also lediglich zum sonstleicht entbehrlichen Schmuck verwendete. Hierkann man schlimmstenfalls von mangelnder Origina-lität, von Anlehnung, doch von keiner Entlehnungsprechen. Immer wird man sich die Frage vorlegenmüssen: Worin besteht das aus Eigenem Ge-schaffene? Muß dieses als so überragend angesehenwerden, daß gelegentliche Anlehnungen danebenverschwinden oder aber: wäre das Werk ohne dasVorbild nicht denkbar? Mit Recht verlangt man voneinem ernst zu nehmenden Schriftsteller eigenenGedankenflug, selbständige Ideen und originärenStil. Allein das Haschen nach Originalität kann inMariniertheit ausarten und unter Umständen solächerlich wirken, wie die Aufgeblasenheit desOri-ginals" bei Lessing , von dem dieser witzigschloß:

d h., wenn ich ihn recht verstand:Ich bin ein Narr auf eigne Hand!"Und Goethe äußert sich zu diesem Punkte ineinem seiner Sprüche sehr treffend: ,,Was kann dieNachwelt denken, was nicht die Vorwelt schon ge-dacht?"

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