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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 8.

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Stücks, das gesetzliche Zahlungskraft zu seinem Nennwerte erhielt.Ein Zehnguldenstück enthält 6,72 g Münzgold von 9 /io Feinheit; ausdem Kilogramm Feingold werden 1653,43 Gulden geprägt, und da fürdas Kilogramm 5 G-ulden Präg^gebühr berechnet werden, kann manjederzeit für ein Kilogramm Feingold 1648,43 Gulden erhalten. Unterdiesen Preis in niederländischem Gelde kann das Gold nie sinken, undmithin kann sich der Wert des niederländischen Geldes niemals überdas diesem Preise entsprechende Geldäquivalent erheben. Solange derMetallwert des Silbergaldens ein geringerer ist, als das Goldäquivalentdes Goldguldens, und solange die niederländische Regierung nicht dieVerpflichtung übernimmt, Silbergulden auf Verlangen in Goldguldeneinzulösen, ist die Möglichkeit vorhanden, daß der Silbergulden denihm begelegten Goldwert nicht erreicht und daß ein Aufgeld aufGoldmünzen entsteht. Der Zustand würde dann mit einer Papier-währung Ähnlichkeit haben, jedoch mit dem Unterschiede, daß nichteine grenzenlose Entwertung des niederländischen Geldes, sondern nureine Entwertung bis auf den Silbergehalt des Silberguldens stattfindenkönnte. In Wirklichkeit hat sich bisher das holländische Geld stetsauf seiner Goldparität gehalten.

Ein zweiter Fall dieser Art wurde geschaffen durch die Ein-stellung der indischen Silberprägung im Juni 1893. Von vornhereinverfolgte diese Maßregel den Zweck, den Wert des indischen Geldesvon dem sich fortgesetzt entwertenden Silber unabhängig zu machenund ihn in eine feste Beziehung zum Werte des englischen Goldgeldeszu bringen. Um das letztere Ziel zu erreichen, wurde gleichzeitig mitder Einstellung der freien SiJberprägung verfügt, daß die indischenMünzstätten gegen Einlieferung englischer Goldmünzen indische Silber-rupien verabfolgen sollten, und zwar 15 Rupien für den Sovereign,oder für je 16 d in englischem Goldgelde eine Rupie. Die Folge dieserMaßregeln war, daß sich der Wert der Rupie über den Wert ihresSilbergehaltes erheben konnte, aber nicht wie der Wert des hollän-dischen Silberguldens von 1873 bis 1875 unbegrenzt, sondern nur biszu dem Werte von 16 d englischer Währung, der seinerseits gegebenist durch ein bestimmtes Goldquantum. Der Wert des Silbergehaltesder Rupie in englischem Gelde ist bei einem Silberpreise von etwa23 3 / 8 d pro Unze Standard Silber, wie er gegenwärtig (März 1910)in London notiert wird, etwa 8 5 /» d. Der Wert der Rupie in engli-schem Goldgelde kann sich mithin bei einem Silberpreise von 23 3 A dzwischen 8> d und 16 d bewegen. Eine Erhöhung des Silberwertesgegenüber dem Goldwerte würde den Spielraum verengern, eine weitereEntwertung des Silbers würde ihn vergrößern.

Die tatsächliche Entwicklung des Rupienkurses Avar folgende:Im ersten Jahre nach der Einstellung der freien Silberprägung

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