82 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
trat ein beträchtlicher Preissturz des Silbers ein. Der Londoner Silber-preis ging bis auf 27 d in den ersten Monaten des Jahres 1894 zurück.Auch der Rupienkurs zeigte eine sinkende Tendenz, die jedoch inihrer Stärke weit hinter derjenigen des Silbers zurückblieb. Dertiefste Kurs wurde erreicht mit 12,41 d im Januar 1895, während demgleichzeitigen Silberpreise (27,2 d) ein Kurs von nur 10,1 d entsprochenhätte; selbst damals hielt sich mithin der Wert der geprägten Rupieum 23 Prozent über dem Werte ihres Silbergehaltes, Seither ist derRupienkurs, unabhängig von den Schwankungen des Silberpreises, all-mählich und mit geringen Unterbrechungen gestiegen, er erreichteAnfang 1896 14 d, stieg bis Ende 1897 auf 15 V2 d und kam im Jannar1*898 zum erstenmal auf der erstrebten Goldparität von 16 d an, aufder er sich seither mit geringen Abweichungen gehalten hat. SeitAnfang 1898 besteht mithin tatsächlich ein festes Wertverhältniszwischen dem Golde und der Rupie, wobei allerdings die Möglichkeitfortbesteht, daß der Wert der Rupie sich nach unten von der neuenGoldparität wieder entfernt und sich dem Schmelzwerte der Silberrupiewieder nähert.
Der dritte und interessanteste der hierher gehörenden Fälle istdas österreichische Geld von 1879 bis 1892.
Österreich hatte, wie bereits dargestellt, seit 1848 eine Papier-währung an Stelle der ursprünglichen Silberwährung. Der Wert desösterreichischen Papierguldens blieb in den ersten Jahren der Silber-entwertung verhältnismäßig stabil gegenüber dem Gelde der Gold-währungsländer, und das Silberagio sank immer mehr, bis es schließlichum die Wende der Jahre 1878 und 1879 gänzlich verschwand. Manhat, diesen Vorgang „Selbsfregulierung der österreichischen Valuta"genannt, weil ohne jede Maßregel des Staates oder der Österreichisch-Ungarischen Bank sich der Gleichwert zwischen dem uneinlösbarenPapiergelde und dem Silbergulden von selbst ergeben hatte.
Von dem Augenblicke an, wo der Gleichwert zwischen dem Papier -und dem Silbergulden wieder hergestellt war, konnte sich nun bei einerweiteren Entwertung des Silbers gegenüber dem Golde das öster-reichische Geld gegenüber dem Gelde der Goldwährungsländer nichtmehr, wie seither, nahezu stabil halten. Da infolge der freien Silber-prägung jedermann für ein Pfund Feinsilber 45 Gulden erhalten konnte(nach Abzug von 1 Prozent Prägegebühr), konnte der Wert desGuldens nicht merklich über dem Wert von 1 /« Pfund Silber stehen.Ging nun der Wert des Silbers gegenüber dem Golde weiter zurück,dann mußte notwendigerweise auch der Wert des österreichischenSilberguldens gegenüber dem Goldgelde des Auslandes zurückgehen.Der Papiergulden andrerseits konnte nicht höher stehen als der Silber-gulden, denn — ganz abgesehen davon, daß der Papiergulden ur-