2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 9.
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Metall, die Funktionen als Geld erfüllen kann und daß der Staat sichweigert, auf Verlangen das Metall in geprägtes Geld zu verwandeln.
Auch der Wert des uneinlösbaren Papiergeldes beruht ausschließ-lich darauf, daß es vom Staate zum gesetzlichen Zahlungsmittel er-klärt ist, daß es zur Erfüllung bestehender Schuldverpflichtungen undstaatlich auferlegter Geldleistungen verwendet werden kann und daßes für die wirtschaftlich gänzlich unentbehrlichen Funktionen desGeldes staatlich privilegiert ist.
Der Wert beider Arten von Geld beruht mithin weder auf demWerte ihres Stoffes an sich, noch darauf, daß sie etwa eine Forderungenthielten, wie einlösbare Noten, sondern ausschließlich auf dem ihnenbeigelegten Charakter als gesetzliches Zahlungsmittel.
In diesem Sinne stellen diese Geldarten, namentlich das uneiulös-bare Papiergeld, einen Markstein in der Entwicklungsgeschichte desGeldes dar; sie bilden den entgegengesetzten Pol zu demjenigen, vonwelchem die Entwicklung des Geldes ausgegangen ist. Das Geld ent-stand damit, daß Güter, die ihre wesentliche Bestimmung im gewöhn-lichen Gebrauche hatten, gelegentlich und nebenbei als Tauschmittelverwendet wurden. Die Funktionen als gewöhnliches Gebrauchsgut,z. B. als Schmuck, waren mit der Funktion als Tauschmittel in dem-selben Gegenstande vereinigt. Allmählich verengerte sich der Kreisder als Tauschmittel verwendeten Gehrauchsgüter, während gleich-zeitig der gesamte Kreis der tauschbaren Güter eine große Erweiterungerfuhr; schließlich bildeten sich die Edelmetalle immer mehr zum aus-schließlichen Tauschmittel heraus. In der Münze erhielt die Funktionals Tauschmittel ihre eigentliche Verkörperung. In dieser Formwaren die Edelmetalle nur noch Geld, in üngemünztem Zustande warensie bald nur noch gewöhnliche Waren. ■ Die Münze, welche anfangsnur ein nach Gewicht und Feingehalt beglaubigtes Stückchen Edel-metall war, löste sich im weiteren Verlaufe von dieser Grundlage los,sie wurde eine selbständige Größe mit wechselndem Substrate. Ihrdurch wechselnde Edelmetallquantitäten gegebener Wert wurde dieEinheit für die Bemessung von Werten überhaupt. Die einzige Ge-meinschaft zwischen dem Gelde und den übrigen Gütern bestand jetztnur noch darin, daß das Geld in seinem Werte mit seinem jeweiligeneffektiven Metallgehalte verknüpft blieb. Allmählich aber wurde auchdieser letzte Zusammenhang gelockert. Bei einzelnen Münzstückenund Münzgruppen — zuerst bei den Münzen aus unedlem Metall undden kleinen, stark legierten Silbermünzen, dann bei der Gesamtheitder Silbermünzen innerhalb der Goldwährung — wurde ihr Wert alsGeld von dem Werte ihres Stoffes losgelöst und mit dem Werte einesdritten Wertgegenstandes, mit dem sie stofflich nichts gemein hatten,in Verbindung gesetzt. Bei den Währungen mit gesperrter Prägung