84 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
ohne jede durch ein Edelmetall oder sonstiges Gut gegebene Grenzebewegen. Der tatsächliche Gang der Dinge war, daß sich der Wertdes Guldens über dem immer mehr sinkenden Silberwerte hielt. Schonim Jahre 1879 war der Silbergehalt des Silberguldens nur noch 95,85Kreuzer wert, und er ging weiter zurück bis auf 91,95 Kreuzer imJahre 1886 und 84,69 Kreuzer im Jahre 1891.
§ 9. Die Bedeutung der toh der metallischen Grundlage losgelöstenWahrungen in der Entwicklungsgeschichte des Geldes.
Sowohl die Papierwährung als auch die metallischen Währungenmit beschränkter Prägung unterscheiden sich darin von den übrigenGeldsystemen^ daß bei ihnen die Wertbildung des Geldes eine voll-ständig oder doch innerhalb weiter Grenzen freie ist, während bei derGoldwährung der Wert des Geldes in einer festen Verbindung steht mit,dem Werte des Metalles Gold, bei der Silberwährung mit dem Wertedes Metalles Silber, bei der Doppelwährung mit dem Werte des in dergesetzlichen Relation zu günstig bewerteten Metalles, und währendbei der Parallel Währung zwei von einander unabhängige Geldsysteme,eines auf dem Golde, das andere auf dem Silber beruhend, nebenein-ander hergehen. Bei allen diesen Systemen besteht eine Verknüpfungdes Wertes des Geldes mit dem Werte eines bestimmten Metalles:der Geldwert der Hauptmünzen, von dem sich der Wert sämtlicherGeldarten des Systems ableitet, fällt mit ihrem Stoffwerte zusammen.Bei den Währungen mit gesperrter Prägung dagegen übersteigt derWert des geprägten Geldes seinen Stoffwert oft beträchtlich; bei derPapierwährung ist das stets der Fall, solange das Papiergeld überhauptnoch einen Wert hat.
Es fragt sich, worauf bei diesen Währungen der Wert des Geldesberuht.
In unserer Wirtschaftsverfassung ist das Geld ein gänzlich unent-behrliches Verkehrswerkzeug. Fortgesetzt besteht eine gar nicht ab-zuschätzende Menge von Zahlungsverpflichtungen, die auf Geld lauten.Der Staat hat sich das Recht zu sichern gewußt, ausschließlich dasGeld herzustellen, dessen der Verkehr bedarf, und Münzen und Papier-scheine irgend welcher Art zum gesetzlichen Zahlungsmittel für be-^stehende Geldschulden zu erklären. Wenn nun der Staat die Prägungdes Währungsmetalls einstellt und damit eine Vermehrung der Um-laufsmittel verhindert, während gleichzeitig der Bedarf des innerenVerkehrs an Geld und die, Nachfrage auf dem Weltmarkte nachZahlungsmitteln für das betreffende Land steigt, dann muß das darinzum Ausdrucke kommen, daß sich der Wert des geprägten Geldes überseinen Metallwert erhebt. Der Mehrwert des geprägten Geldes beruhtdarauf, daß nur das geprägte Metall, nicht auch das ungeprägte